Ein Hochstapler im Stile Hollywoods

von Redaktion

Shopping, Autos & Sex: Notorischem Betrüger wird mal wieder der Prozess gemacht

VON FRANK CHRISTIANSEN

Düsseldorf – Mal war er Staatsanwalt „Tassilo von Hirsch“, mal Arzt oder Pilot: Er betrog sogar seinen eigenen Anwalt und seine Mutter. Bis ihn die Justiz für einige Zeit aus dem Verkehr zog. Nun soll der notorische Hochstapler Marc G. erneut straffällig geworden sein. In Düsseldorf steht er wieder einmal vor Gericht. Laut jüngster Anklage wurde bei ihm ein gefälschter Richter-Ausweis entdeckt. Zudem soll er von einem Geschäftsmann 120 000 Euro ergaunert haben. Als Finanzmakler neu im Geschäft benötige er die Summe als Anschubfinanzierung, soll er ihm glauben gemacht haben. Doch laut Staatsanwaltschaft gab es nie die Absicht, das Geld zurückzuzahlen.

„Ich war der Prahler, der im Mittelpunkt stand, Champagner ausgegeben und das Geld rausgelassen hat“, hatte Marc G. einmal gestanden. In Düsseldorfer Nobel-Clubs, Bordellen und beim Shopping auf der Königsallee habe er eine sechsstellige Summe verprasst. Die Menschen, die nähere Bekanntschaft mit dem Mann aus Ratingen machten, berichten, dass er für die Realisierung seines Lebensstils wenig zimperlich sei: Es sei „wirklich unfein“ gewesen, für die Telefonate mit Sex-Hotlines ausgerechnet das Konto seiner Anwaltskanzlei anzugeben, hatte ein früherer Anwalt von Marc G. gesagt. Aber es zeige: Je dreister der Betrug, desto größer sei für ihn der „Kick“. Für den Betrug am eigenen Anwalt hatte er dessen Kontodaten vom Briefpapier verwendet. Auf 38 Alias-Namen kam die Staatsanwaltschaft. Zu drei Jahren und neun Monaten Haft hatte das Landgericht den Aushilfskellner 2016 verurteilt. Da war er bereits mehrfach vorbestraft.

Als besonders verwerflich hatten Staatsanwältin und Gericht damals hervorgehoben, dass er unter falschem Namen eine Prostituierte per Flugzeug aus Berlin nach Düsseldorf beordert hatte, um sie dann um Lohn und Spesen zu prellen. Mehrere Stunden war ihm das Callgirl mit verbundenen Augen zu Diensten. Die versprochenen 10 000 Euro sah sie nicht.

Seine Erfahrungen mit der Justiz scheinen Marc G. tatsächlich eher inspiriert zu haben: Nachdem er früher als falscher Arzt, Pilot und Diplomat sein Unwesen trieb, trat er plötzlich als Staatsanwalt „Tassilo von Hirsch“ auf.

Schon 2013 war der geltungsbewusste Mann zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden – wegen 56 Fällen von Betrug und Titelmissbrauch. Mal trat er als „Graf von Falkenstein“ auf, mal als „Dr. Dr. Petermeier“. So hatte er für sich und seine Freundin jeweils einen Porsche bestellt, obwohl er mittellos war. Eine 6000 Euro teure Pilotenuniform sollte darüber hinwegtäuschen.

Der Fall des Hochstaplers in Piloten-Uniform erinnert an Frank W. Abagnale. Dieser narrte als falscher Pilot halb Amerika und wurde in Hollywood von Leonardo DiCaprio in „Catch Me If You Can“ (2002) gespielt. Ob Marc G. sich davon inspirieren ließ, blieb offen. Allerdings taucht DiCaprio im Facebook-Auftritt des Angeklagten auf.

In einem der ersten Prozesse hatte ein Psychiater Marc G. ein „Felix-Krull-Syndrom“ und verminderte Schuldfähigkeit attestiert – doch davon wollten spätere Gutachter nichts wissen. Überdurchschnittlich intelligent, aber „gewissensarm“ sei der Ratinger. Kein Wahn treibe ihn an, sondern kriminelle Energie. Während der 33-Jährige in früheren Prozessen freimütig gestand, ist damit nun nicht zu rechnen. Ein Geständnis werde es nicht geben, kündigte sein Verteidiger an.

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