Galapagar – Fahnder der italienischen Polizei haben den seit 20 Jahren flüchtigen sizilianischen Mafiaboss Gioacchino Gammino festgenommen – dank des Internet-Kartendienstes von Google. Die Ermittler hatten ihn auf einer Abbildung von Google Streetview aus der spanischen Kleinstadt Galapagar entdeckt, die ihn vor einem Obst- und Gemüsestand zeigte, wie ein Sprecher der Anti-Mafia-Polizei erklärte. Sie hatten ihn nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit in dem Ort nahe Madrid vermutet. Vor wenigen Tagen griffen die spanischen Behörden zu.
Unweit des Geschäfts befand sich ein Restaurant, das sizilianische Küche als kulinarischen Höhepunkt anbot – ein Hinweis für die Beamten. In den sozialen Medien postete das Lokal der italienischen Zeitung „La Repubblica“ zufolge ein Foto des Kochs. An einer Narbe am Kinn erkannten die Ermittler, dass es sich um den Gesuchten handelte. Damit konnten sie schließlich die verpixelte Person auf der Google-Street-View-Abbildung identifizieren.
„Wie habt ihr mich gefunden? Ich habe meine Familie seit zehn Jahren nicht mehr angerufen“, sagte Gammino am Tag seiner Festnahme in der Nähe von Madrid. Gammino, der Chef eines Clans aus der sizilianischen Stadt Agrigent, gegen den auch der 1992 ermordete Anti-Mafia-Staatsanwalt Giovanni Falcone in den 1980er-Jahren ermittelt hatte, fühlte sich sicher als Geschäftsmann und Koch in Galapagar, einer Stadt mit rund 25 000 Einwohnern im Herzen Spaniens. Er dachte, er hätte alle Verbindungen zur Vergangenheit abgebrochen, trotz einer lebenslangen Haftstrafe und fast 20 Jahren auf der Flucht. Stattdessen sind die Spuren des „Paten“ nun überraschenderweise auf unerwartete Weise wieder aufgetaucht. Dem Mafioso werden die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Mord und Drogenhandel vorgeworfen.
Gioacchino Gammino gehörte zur sizilianischen Mafia Stidda, einer Gegenorganisation zur bekannteren Cosa Nostra. Es wird erwartet, dass der 61-jährige Boss nach Italien ausgeliefert wird, wo er eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss. Er galt als Mitglied eines Kommandos, das am 29. August 1989 in Campobello di Licata auf Sizilien irrtümlich einen Passanten ermordete, weil er versehentlich für einen Mafioso gehalten wurde. Gammino war bereits 1998 nach Spanien geflohen, um dem Haftbefehl für den Mord von 1989 zu entgehen. Im März desselben Jahres wurde er in Barcelona in Handschellen abgeführt, dann an Italien ausgeliefert und nach Rom überstellt. Am 26. Juni 2002 gelang ihm die Flucht, während im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Rebibbia ein Film gedreht wurde. Seitdem hatten die Behörden jegliche Spur von Gioacchino Gammino verloren. mcb