Coup war akribisch vorbereitet

von Redaktion

Nach Juwelenraub: Prozess im Hochsicherheitstrakt gegen sechs Clan-Mitglieder hat begonnen

Dresden – Gut zwei Jahre nach dem aufsehenerregenden Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden hat am dortigen Landgericht ein Prozess gegen sechs mutmaßliche Täter begonnen. Die 22- bis 28-jährigen Männer waren bei mehreren Razzien in Berlin gefasst worden, sie sind wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Die Ermittler sind überzeugt, dass der Einbruch auf das Konto der kriminellen Mitglieder des bekannten Berliner Remmo-Clans geht.

Zwei Beschuldigte waren zur Tatzeit 20 Jahre alt – verhandelt wird deshalb vor der Großen Jugendkammer in Dresden. Aus Sicherheitsgründen verhandelt das Landgericht in einem eigens für Terror- und Extremismusverfahren geschaffenen Spezialsaal am Stadtrand.

Die Verlesung der Anklage dauerte rund 20 Minuten. Sie listete unter anderem auf, wie akribisch sich die Beschuldigten auf den Coup vorbereitet hatten. Dazu spähten sie mehrfach den späteren Tatort aus und entfernten vor dem Einbruch in das Museum auch einen Teil des gusseisernen Gitters, das sie anschließend mit Klebematerial wieder einfügten. So wollten sie am 25. November 2019 – dem Tag des Einbruchs – schneller in das Gebäude eindringen, hieß es. Zudem waren die mutmaßlichen Täter laut Anklageschrift bewaffnet. Bei dem Einbruch sollen sie 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro entwendet haben. Der Anklage zufolge drangen zwei Männer am frühen Morgen durch das präparierte Fenster in das Gebäude in der Altstadt ein, schlugen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine und rissen befestigte Schmuckstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert heraus. Zwei Angeklagte verbüßen eine Jugendstrafe wegen des ebenfalls spektakulären Diebstahls einer riesigen Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum 2017. Die Angeklagten – Brüder oder Cousins – haben sich laut Staatsanwaltschaft bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Kammer hat sich beim Prozess auf Monate eingestellt und bis Ende Oktober 50 Verhandlungstage terminiert – Fortsetzung möglich. Die Hauptakte zu dem Fall umfasst 65 Bände, und auch wegen der Zahl der Verfahrensbeteiligten ist es ein besonderer Prozess: 14 Verteidiger – Anwälte aus Dresden, Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg –, drei Staatsanwälte, Vertreter der Jugendgerichtshilfe und dutzende Zeugen. DNA-Spuren aus Autos und vom Tatort, Videos, Daten und Zeugenaussagen stützen der Staatsanwaltschaft zufolge den ermittelten Ablauf der Tat.

Die Verteidiger der Angeklagten im Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden haben eine massive Vorverurteilung ihrer Mandanten beklagt. Die Beschuldigten seien als Teil eines kriminellen Clans dargestellt worden; Medien hätten die kompletten Namen, ungepixelte Fotos und zum Teil auch Adressen veröffentlicht, machten die Anwälte der sechs Beschuldigten am Freitag geltend. Die Angeklagten seien Mitglieder einer Familie und nicht eines Clans. Die Zugehörigkeit zu einer „zum Teil deliktbelasteten Familie“ rechtfertige nicht die Annahme, dass sie auch Mittäter seien, erklärte Rechtsanwalt Kai Kempgens.

JÖRG SCHURIG, DAVID HUTZLER

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