Frank Zander: Ein Engel wird 80

von Redaktion

Berlin – Es gibt Leute, die brauchen keine Adresse, da kommen Briefe auch so an. Engel zum Beispiel oder eben Frank Zander, den eine Sendung mit dem schlichten Hinweis Sänger (Reibeisenstimme) kennt jeder – Berlin erreicht hat. Na ja, er ist ja auch ein Engel, ein Mensch gewordener Engel für Obdachlose. Tausende lädt der Schlagerstar jedes Jahr zu Weihnachten zum Gänse-Essen ins Hotel Estrel ein, wenn nicht gerade „Corinna“ ist, wie Zander zu Corona sagt. Vorletztes Mal musste es ganz ausfallen, beim letzten Mal wurde es eine Party vor einem Foodtruck im Freien. Egal, Hauptsache, Zander war da. Der Held, der Gönner, der Versteher – einer, der nicht groß fragt und kluge Reden hält, die einem Obdachlosen auch nicht weiterhelfen.

Zander ist ein Kind der Nachkriegszeit aus Neukölln. Am Freitag feiert der Engel der Obdachlosen 80. Geburtstag. Er weiß, was Geben bedeutet: Als Kind hat er miterlebt, wie die Amerikaner das geteilte Berlin über die Luftbrücke versorgten. Egoisten sind dem gelernten Grafiker zutiefst zuwider, er ist ein Mann mit Empathie. „Ich kann mich in Gefühle vertiefen.“

Das jährliche Essen für Obdachlose ist ihm eine Herzenssache. Wer viel hat, kann etwas abgeben, findet er. Das meint er ehrlich, das spüren die Leute. Dazu passend fällt ihm auch gleich ein Schlusswort für sich ein: „Auf meinem Friedhof riecht es schwer nach Alkohol.“ Das wird an den vielen Obdachlosen liegen, die ihm zu Ehren kommen und sich da „einen reinziehen“.

Die letzten Jahre waren nicht einfach. Die Zanders hatten Ärger mit ihrer Mietwohnung (die Kurzfassung: Sie dürfen erst mal dort wohnen bleiben). Er bekam eine zweite Hüfte und überstand Krebs („ein bisschen Prostata“). Auch seine Frau Evy war krank. Und dann kam noch die Pandemie obendrauf.

Überhaupt, das Virus, die Flaute im Konzert- und Musikgeschäft. „Wir haben natürlich jetzt schwere Zeiten“, sagt Zander bei einem Bier in seiner privaten Kneipe. „Gott sei Dank habe ich die Malerei.“ Da laufe es ganz gut. Was für Otto die Ottifanten, sind für Zander die Comic-Fische. Daneben singt er für Hertha BSC die Stadionhymne. Und eine Berliner Brauerei bringt ihm als Eckkneipen-Botschafter regelmäßig ein paar Kästen Bier vorbei.

Berühmt wurde Zander in den 1970er- und 1980er-Jahren. Legendär waren die Zeiten der WDR-Plattenküche mit Helga Feddersen.

Die schönste Zeit privat? Das ausgelassene Leben auf Ibiza, sagt Zander. Freunde einladen, Grillen auf der Terrasse, ein offenes Haus haben. Mit seiner Frau Evy (74) ist er mehr als 50 Jahre verheiratet. Er ist ein Familienmensch. Sohn Marcus (53) ist sein Manager, Enkel Elias (20) spielt auf seiner neuen Single („Freunde wie Felsen“) Schlagzeug. Die Familie stärkt ihm den Rücken. Er lässt aber auch durchblicken, dass seine Frau einiges mitgemacht hat. „Ich bin ein Straßenköter und sie ist ein Kampffrettchen.“ Also niedlich, aber bissig. Vor allem, wenn sich andere Frauen näherten. C. BOCK/US

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