Gefäßkiller Corona: Lebensgefahr durch Lungenembolie

von Redaktion

München – Die Bilder von beatmeten Covid-Patienten haben sich bei vielen Menschen ins Gedächtnis gebrannt. Doch neben den schweren Lungenentzündungen gibt es noch ein weiteres, weniger bekanntes medizinisches Problem: Corona kann zum Gefäß-Killer werden! Das hat sich jetzt bei neuen Auswertungen von Versichertendaten der Krankenkasse Barmer bestätigt.

So wurden während der Pandemie deutlich mehr Patienten mit lebensbedrohlichen Lungenembolien in Kliniken eingeliefert als zuvor. Allein im Vergleich der ersten zur zweiten, intensiveren Welle stieg die Zahl dieser Notfälle um 15 Prozent.

Lungenembolien sind gefürchtet – auch deshalb, weil nur etwa jede Dritte rechtzeitig entdeckt wird. Dementsprechend können Experten die Zahl der Opfer nur schätzen. Vor Corona gingen sie von 40 000 bis 100 000 Toten pro Jahr in Deutschland aus. „Bei Corona-Patienten sehen wir verstärkt Patienten mit tiefen Beinvenenthrombosen – und mit Lungenembolien als sekundärer Folge“, bestätigte der Chef der Gefäßchirurgie des LMU Klinikums, Nikolaos Tsilimparis, gegenüber unserer Zeitung. Der medizinische Hintergrund: Blutpfropfen, die sich in Bein- oder Beckenvenen bilden, können mit dem Blutstrom in die Lungenarterie gelangen und diese verstopfen. Dadurch steigt der Druck in der Lunge schlagartig an – und damit auch die Belastung fürs Herz. Die möglichen Folgen: Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzversagen.

Tragisch dabei: Experten vermuten nach Analyse der Barmer-Daten, dass viele Patienten mit Gefäßverschlüssen aus Angst vor einer Corona-Ansteckung nicht zum Arzt gegangen sind. Sie nahmen leichte Beschwerden wie taube, blasse, kalte Beine und blaue Zehen in Kauf. „Sie kamen dann – wenn sie nicht verstarben – verzögert in die Kliniken, was zu schlechteren Behandlungsergebnissen geführt haben könnte“, berichtet der Gefäßspezialist Christian-Alexander Behrendt vom Uniklinikum Hamburg. ANDREAS BEEZ

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