Schunkeln für den Frieden

von Redaktion

250 000 Menschen bei der Rosenmontagsdemo in Köln – Etliche Persiflage-Wagen zum Ukraine-Krieg

VON PETRA ALBERS

Köln – Kostümierte schwenken blau-gelbe Flaggen, „Alaaf“- und „Stoppt-Putin“-Rufe halten sich die Waage, weiße (Friedens-)Tauben fliegen in den tiefblauen Himmel: In der Karnevalshochburg Köln sind am Rosenmontag bis zu 250 000 Menschen zu der Friedensdemo gekommen, die kurzfristig statt des Rosenmontagszuges angesetzt worden war. Mit oder ohne Kostüm, aber immer gegen den Krieg zogen die Menschen durch die Stadt. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte dazu aufgerufen, „bunt und laut“ gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren.

„Das hier ist wichtig, da musste ich einfach hingehen“, sagt die junge Mutter, die ihren zweijährigen Sohn im Buggy vor sich herschiebt. „Man kann ja nicht viel tun, aber wenigstens kann man zeigen, dass man gegen den Krieg ist“, meint ein Mann, an dessen Clownskostüm eine Friedenstaube zu sehen ist.

Das Festkomitee lässt unterdessen echte weiße Tauben in die Luft steigen. Dazu brüllt die Menge drei Mal „Kölle Alaaf“ auf den Frieden in Europa. Es sind Gänsehautmomente bei der Auftakt-Kundgebung. Ein weiterer folgt, als die kölsche Band Brings ihr Antikriegs-Lied „Liebe gewinnt“ anstimmt – es ist fast wie eine Hymne, denn die Band hatte das Musikvideo im Vorfeld mit russischen Untertiteln versehen.

Nachdem der Rosenmontagszug wegen Corona zum zweiten Mal abgesagt worden war und durch einen „Zoch“ mit Persiflagewagen ersetzt werden sollte, organisierte man den Rosenmontag nach dem Überfall auf die Ukraine zur Friedensdemo um. Mit beißender Satire machen die Wagen den Krieg zum Thema: Einer zeigt eine russische Fahne, die die Friedenstaube aufspießt, zwei weitere Wagen ätzen über Putin, aber auch Motive zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, zum Klimawandel und zum Bundestagswahlkampf sind zu sehen.

Die Enge auf der Demo ist ungewohnt. Und so manchem wird etwas unwohl zumute, denn Corona ist noch nicht vorbei. Für die Teilnehmer gilt Maskenpflicht – fast alle halten sich daran.

Auch in Mainz haben trotz der Absage des Rosenmontagszugs etliche Menschen den Höhepunkt der Fastnachtszeit gefeiert – aber ohne politische Aussagen. Der Krieg in der Ukraine und Corona sind dagegen gegenwärtig beim Narrensprung in Rottweil, einem Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Als die Kleidlesträger am Morgen bei Eiseskälte ihren verkürzten Zug durch die Stadt starten, musizieren zwar die Kapellen und die Narren lassen Peitschen knallen und Schellen klingen. Doch viele sagen: „Die Stimmung ist gedämpft.“ Wegen Corona durften auch nur 1000 statt der sonst üblichen 4000 Narren aufziehen. Und die Besucherzahl wurde von 20 000 auf 4500 reduziert.

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