Juan Carlos bleibt im Exil

von Redaktion

Spaniens König Felipe akzeptiert aber den Wunsch seines Vaters nach Heimat-Besuchen

Madrid – Der frühere spanische König Juan Carlos I. bleibt trotz der Einstellung der Korruptionsermittlungen gegen ihn in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Derzeit wolle er aus Gründen, „die Privatsache sind und nur mich selbst betreffen, dauerhaft in Abu Dhabi wohnen“, schrieb der frühere Monarch in einem am Montag vom Königshaus in Madrid veröffentlichten Brief an seinen Sohn, König Felipe VI.

In Abu Dhabi „habe ich Ruhe gefunden, insbesondere für diesen Abschnitt meines Lebens, obwohl ich natürlich häufig nach Spanien zurückkehren werde“, erklärte der 84-jährige Ex-Monarch. Juan Carlos I. war im August 2020 wegen des Verdachts auf Veruntreuung ins Exil in die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gegangen, um seinem Sohn „die Ausübung seiner Pflichten zu erleichtern“, wie er in seinem Brief erinnerte.

„Ich bin mir der Folgen der vergangenen Ereignisse in meinem Privatleben für die öffentliche Meinung bewusst und bedauere sie aufrichtig“, erklärte Juan Carlos I. weiter, dessen Ansehen in der spanischen Öffentlichkeit sehr gelitten hat. Er reklamiert für sich aber auch „legitimen Stolz“ auf seinen Beitrag zum demokratischen Zusammenleben Spaniens. Im Anschluss an das auf der Internetseite des Königshauses veröffentlichte Schreiben heißt es knapp: „Seine Majestät der König (Felipe VI.) respektiert und versteht den Willen Seiner Majestät des Königs Don Juan Carlos, der in seinem Brief zum Ausdruck kommt.“

Die spanische Justiz hatte vergangene Woche ihre Ermittlungen gegen Juan Carlos I. eingestellt und damit den Weg für dessen Rückkehr in seine Heimat grundsätzlich frei gemacht. Fallen gelassen wurden die drei Ermittlungsverfahren gegen den 84-Jährigen unter anderem aus Mangel an Beweisen, Verjährung sowie aufgrund der Unantastbarkeit, die Juan Carlos als Staatsoberhaupt genoss. Die Justiz hatte dennoch von „Unregelmäßigkeiten“ im Finanzgebaren des Ex-Königs gesprochen.

Die spanische Staatsanwaltschaft hatte seit 2020 drei Ermittlungsverfahren gegen Juan Carlos eingeleitet. Dabei ging es unter anderem um dubiose Geldgeschenke in Millionenhöhe aus Saudi-Arabien und um Vorwürfe der Geldwäsche. Im Zentrum der Verdächtigungen stand eine Summe von 100 Millionen Dollar (65 Millionen Euro), die der damalige saudiarabische König Abdullah im Jahr 2008 auf ein Schweizer Bankkonto eingezahlt hatte, auf das Juan Carlos Zugriff hatte.

Sein Sohn und Thronfolger Felipe VI. distanzierte sich seither mehrfach von seinem Vater. Unter anderem entzog er Juan Carlos im vergangenen Jahr die für Ex-Monarchen üblichen finanziellen Zuwendungen in Höhe von 200 000 Euro pro Jahr aus dem Königshaus.

Eine Rückkehr nach Spanien, wenn auch nur zu Kurzbesuchen, bleibt für das Königshaus aber heikel. Denn die Begründung der Justiz für die Einstellung der Ermittlungen war „verheerend“, wie die Journalistin und Kennerin des Königshauses Pilar Eyre schrieb. Die Staatsanwaltschaft bescheinige ihm, dass er Straftaten begangen hat. Juan Carlos kann dem bereits heftig ramponierten Image des spanischen Königshauses immer noch schwer schaden.

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez hat den im Exil lebenden Altkönig Juan Carlos aufgefordert, sich zu Fehlverhalten in der Vergangenheit zu äußern. Der 84-Jährige schulde dem spanischen Volk eine Erklärung, sagte der Sozialist.  dpa; afp

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