Streit um Maskenpflicht eskaliert: Prozess gegen Mörder startet

von Redaktion

Idar-Oberstein – Vor dem Landgericht im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach muss sich ab Montag ein 50-Jähriger verantworten, der in Idar-Oberstein einen Tankstellenkassierer im Streit um die Maskenpflicht erschossen haben soll. Die Anklage wirft ihm vor, den 20-Jährigen im September ermordet zu haben. Das Entsetzen nach der Tat war groß. Neben Mord werden dem Angeklagten das unerlaubte Führen der Tatwaffe und der Besitz einer weiteren Waffe vorgeworfen.

Der Anklage zufolge wollte der 50-Jährige am 18. September in der Tankstelle Bier kaufen. Beim Bezahlen soll es eine kurze Diskussion mit dem 20-Jährigen gegeben haben, weil der Kunde keine Mund-Nasen-Bedeckung trug. Der Tatverdächtige habe die Tankstelle ohne das Bier verlassen. Daheim habe er sich in die Situation reingesteigert und beschlossen, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen.

Der Angeklagte soll sich seit Langem durch die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angeordneten Beschränkungen belastet gefühlt haben. Mit der Tat habe er ein Zeichen setzen wollen. Gut 90 Minuten nach seinem ersten Besuch in der Tankstelle sei der Mann mit Maske zurückgekehrt. An der Kasse habe er diese heruntergezogen. Damit habe er eine Reaktion des 20-Jährigen provozieren wollen. Es sei zu einem kurzen Wortwechsel gekommen, in dem der Mann dazu aufgefordert wurde, die Maske wieder aufzusetzen. Daraufhin habe der 50-Jährige die Waffe auf sein Opfer gerichtet und es mit einem Schuss ins Gesicht getötet. Dann sei er geflüchtet und habe sich nach einer ergebnislosen Großfahndung einen Tag später gestellt.

Das Opfer habe der Angeklagte als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen, weil er die Maskenpflicht habe durchsetzen wollen. Der in Untersuchungshaft sitzende 50-Jährige gestand die Tat in seiner ersten Vernehmung umfänglich, danach schwieg er.

Die Tat löste eine breite Diskussion über eine Radikalisierung der Szene der Corona-Leugner und Querdenker aus. In rechtsextremen Chats und Foren wurde sie begrüßt. Für Montag ist zum Prozessbeginn die Verlesung der Anklage geplant. Im Anschluss hat der Angeklagte die Möglichkeit, sich einzulassen. Bis Mitte Mai sind zunächst 13 Verhandlungstermine angesetzt.

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