„Euch ist vorgeschrieben zu fasten“

von Redaktion

Was der Beginn des Ramadan für die gut 5,5 Millionen Muslime in Deutschland bedeutet

Bonn – Ab dem heutigen Samstag wird ein guter Teil der rund 5,5 Millionen Muslime in Deutschland – gut 600 000 davon in Bayern und 100 000 in München – rund vier Wochen lang fasten. Der Fastenmonat Ramadan dauert heuer bis zum 2. Mai. Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen zum Ramadan. Ramadan – was bedeutet das eigentlich? Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Sein Name kommt aus dem Arabischen. Er leitet sich aus „ramida“ ab und steht für „brennende Hitze“. Nach islamischer Überzeugung wurde dem Propheten Mohammed in diesem Monat der Koran offenbart. Im Ramadan fasten gläubige Muslime. Die „brennende Hitze“ verweist nicht auf die Jahreszeit, sondern auf das Gefühl im Magen des Fastenden. Das Fasten (Saum) gehört neben dem Glaubensbekenntnis (Schahada), dem täglich fünfmaligen Gebet (Salat), der Almosensteuer (Zakat) und der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) zu den fünf Säulen des Islam. Für wen gilt das Fastengebot, und was hat ein gläubiger Muslim dabei zu beachten?

Das Fastengebot gilt für alle Muslime ab der Religionsmündigkeit, also mit etwa 14 Jahren. Im Koran, Sure 2, Verse 183 bis 185 steht: „Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist.“ Zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang sind Essen, Trinken, Rauchen und Sex untersagt. Mit dem „Iftar“, dem gemeinsamen Abendessen, wird das Fasten täglich beendet. Den Ramadan schließt das dreitägige Fest des Fastenbrechens, arabisch „Id al Fitr“, ab. Ausgenommen vom Fastengebot sind Kinder, Alte, Kranke, Schwangere und Reisende. Warum verschiebt sich der Ramadan von Jahr zu Jahr?

Der islamische Kalender orientiert sich anders als der im Westen gebräuchliche gregorianische Kalender am Mond und nicht an der Sonne. Danach hat das Jahr nur rund 354 und nicht 365 Tage. So kommt es, dass der Ramadan zwar immer rund 30 Tage dauert, aber jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorn wandert. Wie blicken Muslime heute auf den Ramadan?

Der Fastenmonat bietet durchaus Stoff für Kontroversen – auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft. Das fängt mit seiner terminlichen Festlegung an, die aufgrund unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen nicht einheitlich ist. In Deutschland folgen die Islamverbände seit 2008 den Vorgaben der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Unabhängig davon empfinden viele Muslime die Fastenzeit als eine Zeit der Reinigung. Aber der Verzicht auf Wasser und Nahrung untertags führt zu mehr Unfällen in Haushalt und Straßenverkehr, weil die Menschen müde und gereizt sind. Fasten – gibt es das auch in anderen Religionen?

Fasten ist kein Alleinstellungsmerkmal des Islam. Im Christentum dauert die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Der Erinnerung an den Tod und die Auferstehung Jesu sollen 40 Tage der Buße und Reinigung vorangehen. Früher wurde auch in den Wochen vor dem Weihnachtsfest, in der Adventszeit, gefastet, um sich auf das Fest der Geburt Jesu vorzubereiten. In den orthodoxen Kirchen ist das auch heute noch weit verbreitet.

Die Juden kennen mehrere Fastentage, der bedeutendste ist Jom Kippur. Die Tradition geht vermutlich auf die Zeit des jüdischen Volkes im babylonischen Exil im 6. Jahrhundert vor Christus zurück.

Buddhisten fasten unter anderem zum Vesakh-Fest am ersten Vollmondtag im Mai oder Juni. Dann wird der Geburt, des Todes und der Erleuchtung Buddhas gedacht.

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