„Erzählt die Wahrheit über diesen Krieg“

von Redaktion

Grammy-Gala in Las Vegas mit vielen Stars – und einem Appell von Präsident Selenskyj

Las Vegas – „Füllt die Stille mit eurer Musik – füllt sie, um unsere Geschichte zu erzählen!“ Bei den Oscars war sein Auftritt nicht gewollt. Bei den Grammys hatte Wolodymyr Selenskyj dann aber doch noch seinen großen Auftritt. Unangekündigt wurde ein aufgezeichneter, emotionaler Appell des ukrainischen Präsidenten per Videowand in der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas eingespielt: „Erzählt die Wahrheit über diesen Krieg auf euren sozialen Medien oder im TV. Unterstützt uns auf jede Weise, wie ihr könnt. Alles außer Stille. Und dann wird es Frieden geben“. Laut Selenskyj sind bislang über 153 Kinder ums Leben gekommen und mehr als 400 wurden seit Beginn der russischen Invasion auf sein Land verletzt: „Unsere Liebsten wissen nicht, ob sie noch einmal sich sehen werden. Der Krieg lässt uns nicht die Wahl, wer überlebt oder wer für immer still sein wird.“ Selenskyj beschrieb, wie ukrainische Städte wie Mariupol und Charkiw „zerstört“ wurden: „Ich habe einen Traum, dass wir wieder leben und frei sein können. So frei wie ihr auf der Grammy Bühne!“, sagte der Präsident, bevor US-Sänger John Legend gemeinsam mit ukrainischen Musikerinnen vor Abbildungen der Landesfahne einen der Ukraine gewidmeten Song sang.

Abgesehen davon aber versuchten die Veranstalter der Grammys, die Gala weitgehend fröhlich und sorglos zu gestalten. „Seht es gar nicht als Preisverleihung. Seht es als Konzert, wo es auch Preise gibt“, sagte Moderator Trevor Noah zum Auftakt. In den Hauptkategorien der Grammys räumten der Musiker Jon Batiste, die Sängerin Olivia Rodrigo und das Duo Silk Sonic ab. Batiste, der mit insgesamt elf Nominierungen als Favorit in die Gala gegangen war, gewann fünf Auszeichnungen, darunter den Grammy in der Kategorie „Album des Jahres“ für „We Are“. Er glaube eigentlich gar nicht daran, dass es so etwas wie einen besten Künstler gebe, sagte der 35-Jährige im schwarzen Glitzerumhang bei seiner Dankesrede. „Die kreativen Künste sind subjektiv und sie finden einen Menschen an einem bestimmten Punkt in seinem Leben, wenn er es am meisten braucht.“

Sängerin Rodrigo gewann insgesamt drei Grammys, darunter den als „beste neue Künstlerin“. „Damit ist mein größter Traum wahr geworden“, sagte die 19-Jährige unter Tränen und erzählte in einer späteren Dankesrede auch noch, dass sie bereits als Neunjährige ihrer Mutter gesagt habe, dass sie eines Tages einen Grammy gewinnen werde. Das Duo Silk Sonic, bestehend aus Bruno Mars (36) und Anderson .Paak (36), gewann mit dem Song „Leave the Door Open“ in den Kategorien „Aufnahme des Jahres“ und „Song des Jahres“. „Wir versuchen ja wirklich bescheiden zu bleiben, aber in der Branche nennt man das Abräumen“, sagte .Paak. „Die Getränke gehen alle auf Silk Sonic heute.“

Die 64. Grammy-Gala war ursprünglich für den 31. Januar geplant gewesen, wurde dann aber wegen der rasanten Ausbreitung der hochinfektiösen Omikron-Variante des Coronavirus verschoben und fand nun erstmals in Las Vegas sowohl drinnen als auch draußen statt, das Publikum saß zum großen Teil an kleinen Tischchen. „Wir haben es geschafft, Leute, besser spät als nie“, kommentierte Moderator Noah. Rund 13 000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger der Grammys, die zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt zählen.

Stars und Bands wie Billie Eilish, Brandi Carlile, Lil Nas X, die Brothers Osborne, BTS, Justin Bieber, H.E.R., Nas, Lenny Kravitz und Lady Gaga traten bei der Veranstaltung auf. Anmoderiert wurden sie teilweise von Mitgliedern ihrer Bühnen-Crew, die dadurch nach der langen Pandemie-Zeit ohne Live-Auftritte besonders geehrt werden sollten.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgten auch zwei selten gewordene Gäste: Die gesundheitlich angeschlagene 78-jährige Sängerin Joni Mitchell moderierte unter sichtlichen Mühen ihre Kollegin Carlile an und der an Alzheimer erkrankte Tony Bennett in einem kurzen Video seine frühere Duett-Partnerin Lady Gaga. „Ich liebe dich, Tony. Wir vermissen dich“, sagte Gaga nach ihrem Auftritt.

„Und jetzt wäre der Moment der Show gekommen, in dem ich die Foo Fighters angekündigt hätte“, sagte Moderator Noah danach. Nach dem überraschenden Tod ihres Schlagzeugers Taylor Hawkins vor wenigen Tagen im Alter von nur 50 Jahren hatte die Band ihren Grammy-Auftritt aber abgesagt und konnte die drei gewonnenen Preise nicht persönlich in Empfang nehmen.

C. HORSTEN, C. THELEN

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