Frankfurt / Sydney – Keine guten Nachrichten für Süßigkeiten-Freunde direkt vorm Osterfest: Nach Deutschland und anderen europäischen Ländern hat Ferrero kurz vor Ostern auch in Australien und Israel zahlreiche Kinder-Produkte zurückgerufen. Diese seien möglicherweise mit Salmonellen belastet, teilte die für Lebensmittelsicherheit zuständige Behörde (FSANZ) gestern mit. Verbraucher sollten diese Produkte – darunter Überraschungseier, Schoko-Bons und Mini Eggs mit unterschiedlichen Haltbarkeitsdaten bis Oktober – nicht essen und sie für eine vollständige Rückerstattung an den Ort des Kaufs zurückbringen, so die Behörde. Die betroffenen Erzeugnisse wurden im belgischen Arlon hergestellt.
Ferrero hatte zuvor bereits in Deutschland Kinder-Produkte zurückgerufen. Denn es war nicht Gutes, was Überraschungseier & Co. einigen Konsumenten beschert hatten. Bislang seien 105 bestätigte Salmonellenfälle sowie 29 Verdachtsfälle registriert worden, so die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC. Die meisten davon bei Kindern im Alter von unter zehn Jahren. Die Erkrankung zeigt sich demnach u. a. durch plötzlichen, teils blutigen Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, in manchen Fällen auch durch Erbrechen und Fieber. In Deutschland sind bislang vier bestätigte und drei mutmaßliche Fälle bekannt. Betroffen sind auch Großbritannien, Belgien, Frankreich, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden.
Die Wege, wie die Erreger in die Schokolade kommen können, sind vielfältig. Die Salmonellose ist eine klassische Lebensmittelinfektion und erfolgt durch orale Aufnahme kontaminierter Lebensmittel, erklärt eine Sprecherin der Verbraucherzentrale NRW in der Online-Ausgabe von „Focus“. Die Bakterien stammten von Tieren und würden daher durch das Verspeisen tierischer Produkte auf den Menschen übertragen. So zum Beispiel durch ei-haltige Speisen sowie durch nicht ausreichend erhitzte Fleischerzeugnisse. Lebensmittel könnten aber auch durch infizierte Menschen kontaminiert werden – „auch eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist möglich“, so die Verbraucherzentrale. Auch wenn Lebensmittel, die keinen tierischen Ursprung haben, in Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder Lebensmitteln geraten, kann eine Übertragung stattfinden. So hätte es durchaus bereits Salmonellen-Ausbrüche in Deutschland gegeben mit Lebensmittelgruppen, die nicht tierischen Ursprungs sind, wie etwa Kräutertee, Mungobohnen-Sprossen und Melone.
Auch mit Schokolade gab es laut „Focus“ schon häufiger Ausbrüche in Deutschland. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) traten beispielsweise 2001 fast in allen Bundesländern im Zusammenhang mit Schokolade über 270 Salmonellen-Infektionen mit dem seltenen Erreger Salmonella Oranienburg auf. Bei Schokoladen-Produkten gibt es dabei eine Besonderheit: Laut BfR reichen außerordentlich niedrige Keimzahlen aus, um eine Erkrankung auszulösen. Denn Salmonellen können sich in der fettreichen Schokolade sehr gut gegen die Säure im Magen schützen und gelangen so lebend in den Darm. Dort lösen sie eine Infektion aus.
Außerdem können „Salmonellen in Schokolade bis zu mehreren Jahren überleben“, so das BfR. „Bedingt durch den niedrigen Wassergehalt der Schokolade und die schützende Wirkung des Fettes weisen sie eine sehr hohe Hitzeresistenz auf.“
Als Ursache für Kontamination von Schokolade kämen danach in erster Linie kontaminierte Kakaobohnen, aber auch Kokosnüsse und Gewürze in Betracht. Durch das Rösten der Bohnen sowie eine spezielle Behandlung der Kakaomasse mit Wasserdampf könne man die Keimzahlen reduzieren, aber nicht sicher abtöten. Deshalb seien regelmäßige Kontrollen sowie mikrobiologische Untersuchungen wichtig.