Forscher: 90 Prozent haben Grundimmunität

von Redaktion

25 Millionen Corona-Fälle registriert – Omikron macht Reinfektionen wahrscheinlicher

Berlin – Noch vor etwa einem halben Jahr lag die Zahl der seit Pandemiebeginn erfassten Corona-Infektionen in Deutschland bei weniger als fünf Millionen. Dann kam Omikron und die Zahl der gemeldeten Ansteckungen schnellte in die Höhe. Gestern wurde die Marke von 25 Millionen offiziell registrierter Fälle überschritten – die Dunkelziffer dürfte aber sehr hoch sein. Was das für den Schutz der Bevölkerung bedeutet, lässt sich bislang nur erahnen.

Eine kürzlich veröffentlichte RKI-Modellierung legt nahe, dass nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung hierzulande bis Ende März weder gegen Corona geimpft noch mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. Das deckt sich ungefähr mit Überlegungen von Forschern, nach denen die Zahl der Fälle tatsächlich bereits 50 Millionen oder mehr betragen könnte. „Die untere Grenze der Dunkelziffer dürfte bei einem Faktor zwei liegen, je nach Alter und Region kann der Faktor auch deutlich höher liegen“, sagte der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen der Deutschen Presseagentur. Durch Impfungen und Infektionen sei eine Grundimmunität vermutlich bei über 90 Prozent der Menschen in Deutschland vorhanden, wieder mit Schwankungen bei Alter und Region.

Angesichts von Ergebnissen der RKI-Modellierung sprach Andreas Radbruch, Immunologe vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin, von einer guten Nachricht: Zumindest unter den Erwachsenen und Menschen ab 60 Jahren gebe es mit 3,5 beziehungsweise 4,3 Prozent nur noch sehr wenige, die bisher weder geimpft noch mit dem Virus in Kontakt gekommen sein dürften. Laut Modellierung sind die geschätzten Anteile bei Kindern größer, auch weil für die Jüngsten noch kein Impfstoff verfügbar ist.

Ein sehr großer Teil der bisherigen Ansteckungen in Deutschland geht auf Omikron zurück. Als die Variante Ende November 2021 entdeckt wurde, waren in Deutschland erst rund 5,6 Millionen Infektionen bestätigt. Die Autoren der RKI-Modellierung schreiben, ihre Analyse lege nahe, dass hierzulande einer von sechs Menschen ungeimpft, aber infiziert worden sei, meist mit Omikron. Diese Gruppe stehe mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter vor größeren Unsicherheiten, da der Schutz vor schwerer Krankheit kurzlebiger und zu sehr auf diese Variante begrenzt sein könnte. Nach vollständiger Grundimmunisierung, Booster und Infektion wird hingegen ein längeranhaltender Schutz vor schwerer Erkrankung angenommen.

Bislang unbekannt ist, wie viele Mehrfachinfektionen in der Gesamtzahl der gemeldeten Coronafälle enthalten sind. Vergangenen November sei die Software in den Gesundheitsämtern zwar so aktualisiert worden, dass nun auch dazu Informationen erfasst werden können, teilte eine RKI-Sprecherin mit. Diese müssten jedoch durch die Gesundheitsämter ermittelt und bewertet werden. Epidemiologe Zeeb nimmt an, dass der Anteil von Reinfektionen an allen auftretenden Infektionen im einstelligen Prozentbereich liegt. Wegen Omikron sei die Tendenz aber steigend. Durch den milderen Verlauf sei der aufgebaute Immunschutz geringer, eine Reinfektion werde so mit zunehmendem Abstand zur letzten Impfung wahrscheinlicher.

Wichtig für den weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens dürfte noch eine weitere Frage sein: Kommt noch eine Variante auf, die den bisherigen Immunschutz unterläuft? Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hatte kürzlich gesagt, dass das Spike-Protein von Sars-CoV-2 seit dem Ausbruch in Wuhan in seinem unteren Bereich sehr konstant geblieben sei. Weitere Veränderungen dahingehend, dass auch diese Bereiche für T-Zellen, wichtige Teile des Immunsystems, nicht mehr erkennbar sind, bezeichnete sie als sehr unwahrscheinlich.

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