Diagnose Hirntod: Der verzweifelte Kampf britischer Eltern

von Redaktion

London – Charlie, Alfie, Pippa – und nun Archie: Es ist ein wiederkehrendes Drama um das Leben von Kindern, das sich in britischen Gerichtssälen abspielt. Mediziner sehen keine Verbesserungschancen bei schwerkranken Kindern und wollen Beatmung und künstliche Ernährung einstellen. Eltern wollen das Leben ihres Kindes so lange wie möglich erhalten und geben die Hoffnung auf Besserung nicht auf.

Ein solches Drama spielt sich derzeit wieder in London ab. Es geht um den zwölfjährigen Archie, der sich bei einem häuslichen Unfall schwere Hirnverletzungen zugezogen hat. Ein Richter ordnete am Freitag einen Test des Hirnstamms für die darauffolgende Woche an, um festzustellen, ob Archie als hirntot einzustufen ist. Die behandelnden Ärzte halten das für „hoch wahrscheinlich“. Seine Eltern zweifeln die Verlässlichkeit des Tests an und fordern, die Behandlung fortzusetzen.

Einem Bericht des „Guardian“ zufolge verunglückte Archie am 7. April. Seine Mutter vermutet demnach, dass er sich auf eine Mutprobe aus dem Internet eingelassen hat. Seitdem liegt er im Koma. „Es ist nur fünf Wochen her, ich habe länger gebraucht, um mich von einer Erkältung zu erholen“, sagte Archies Mutter, Hollie Dance, der Agentur PA zufolge in Reaktion auf die Gerichts-Anordnung. Der Junge habe ihre Finger trotz Koma fest gedrückt, sagte sie. „Ich denke, das ist seine Art, um mir zu sagen, dass er noch immer da ist und einfach mehr Zeit braucht“, so die Frau aus der Grafschaft Essex. „Ich werde nicht akzeptieren, dass er geht, bevor es Gottes Wille ist.“

Der Fall erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen in Großbritannien. Der finanziell stark unter Druck stehende britische Gesundheitsdienst neigt dazu, lebenserhaltende Maßnahmen sehr viel früher zu entziehen, als das in Deutschland der Fall wäre. Zudem werden die Wünsche von Eltern und Angehörigen dabei nicht immer im selben Maße berücksichtigt wie hierzulande. Was im besten Sinne des Patienten ist, entscheiden oft Richter auf Empfehlung von Medizinern.

In früheren Fällen hatte sich sogar der Papst eingemischt. So etwa, als die Eltern des 23 Monate alten Alfie aus Liverpool 2018 darum kämpften, ihr schwer krankes Kind zur Behandlung ins Ausland bringen zu können. Trotz Gutachten eines renommierten Experten aus Deutschland zur Transportfähigkeit und des Angebots der italienischen Regierung, den Jungen ins vatikanische Kinderkrankenhaus Bambino Gesù zu fliegen, wurden die Geräte auf Anordnung britischer Richter abgeschaltet.

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