Madrid/München – Es ist ein Besuch, der bei vielen Spaniern gemischte Gefühle auslösen dürfte: Nach beinahe zwei Jahren im Exil in Abu Dhabi stattet Spaniens umstrittener Altkönig Juan Carlos der Heimat wieder eine Stippvisite ab, wie das Königshaus am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Gestern ist der 84-Jährige kurz nach 19 Uhr auf dem Flughafen der nordwestspanischen Stadt Vigo eingetroffen.
Juan Carlos reist laut Auskunft seines Freundes und Gastgebers, Unternehmer Pedro Campos, standesgemäß im Privatjet an. Stellt sich die Frage, wie herzlich der Empfang ausfallen wird. Immerhin ließ das Königshaus verlauten, dass am Montag ein Treffen im Königspalast Zarzuela bei Madrid geplant sei – mit seinem Sohn Felipe VI., seiner Frau Sofia (83) und dem Rest der Familie.
Vor allem der amtierende Regent Felipe ist darauf bedacht, Schaden vom Königshaus durch zu große Nähe zu Juan Carlos abzuwenden. Der hatte seine Heimat am 4. August 2020 mit zunächst unbekanntem Ziel verlassen. Später tauchte der Altkönig dann in Abu Dhabi auf. Der unrühmliche Grund für den Abgang des Mannes, der Spanien einst die Demokratie beschert hatte, war ein drohendendes Strafverfahren wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten. Dem entging der 84-Jährige unter anderem, weil er bis zu seiner Abdankung 2014 geschützt war oder die Taten bereits verjährt waren.
Anfang März dieses Jahres – pünktlich nach der Einstellung aller Strafermittlungen gegen ihn – ließ Juan Carlos dann verlauten, dass er seine Heimat bald sporadisch besuchen wolle. Nun ist es also so weit. Und noch vor der Ankunft zeichnete sich ein diplomatischer Kraftakt ab. Das Königshaus betonte, dass Juan Carlos nur bis Montag in Spanien verweilen werde. Die meiste Zeit werde er in der Hafenstadt Sanxenxo in Galicien sein. Dorthin zieht es den passionierten Segler wegen einer internationalen Regatta. Das Boot „Bribón“, mit dem er 2019 Weltmeister wurde, befindet sich in Sanxenxo. „Ob Juan Carlos an der Regatta teilnimmt, hängt auch vom Wetter ab“, sagte Pedro Campos. Auf jeden Fall würde der Ex-Monarch dann auf einem Begleitschiff dabei sein. Mit dem Familientreffen in Madrid am Montag, dem letzten Tag der Reise, wurde mehr oder weniger elegant auch gleich die Übernachtungsfrage für den Kurzbesuch umschifft. Ein Aufenthalt im Zarzuela Palast ist offensichtlich nicht vorgesehen. Die Zeitung „El Mundo“ hatte im Vorfeld berichtet, Juan Carlos sei ungehalten, weil sein Sohn und seine Schwiegertochter Königin Letizia ihn nicht im Palast beherbergen wollten.
Die Gründe für den Unwillen des Sohnes und Monarchen lassen sich in Zahlen messen. Nach einer Umfrage vor gut einem halben Jahr ist eine knappe Mehrheit der Spanier (53 Prozent) davon überzeugt, dass die Monarchie eine nicht mehr zeitgemäße Institution ist, die abgeschafft gehört. Schuld an den negativen Ergebnissen trägt mit Sicherheit zu einem erheblichen Teil Juan Carlos.
Das Königshaus erwähnte bereits im Vorfeld, dass der Ehemann, Vater und Großvater noch am Montag nach Abu Dhabi zurückreisen werde, wo er sich „dauerhaft niedergelassen“ habe. Die Familie bleibt zurück – ebenso wie ein immenser Imageschaden für die Royals.
Ministerpräsident Pedro Sánchez betonte, der Ex-Monarch schulde dem spanischen Volk eine Erklärung. Die Zeitung „El País“ kommentierte: „Juan Carlos war ein Staatsoberhaupt, das den Kredit, den ihm die Bürger über viele Jahre gaben, verspielt hat. Sein Image ist schwer beschädigt und die Spanier haben noch keine Erklärungen oder Entschuldigungen gehört.“ Sein Verhalten sei mit dem Vorbildcharakter eines Ex-Regenten unvereinbar. SABINE SCHWINDE