Stuttgart – Wenn im Juni spät abends die Dunkelheit hereinbricht, leuchtet als erster der helle Stern Arktur im Sternbild Bootes hoch im Süden auf. Arktur heißt so viel wie Bärenwächter, weil er dem Großen Bären beständig während seiner Umkreisung des Himmelsnordpols folgt. Bootes ist der Rinderhirte, der den sieben Sternen des Großen Wagens hinterherwandert. Die sieben Wagensterne, die um den Polarstern kreisen und leicht zu erkennen sind, hießen bei den alten Römern Septemtriones – die sieben Dreschochsen.
Den Osthimmel nimmt im Juni das Sommerdreieck ein. Er setzt sich aus den Hauptsternen dreier Sternbilder zusammen: Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler. Mit Arktur zählt Wega zu den beiden hellsten Sternen des Nordhimmels. Während Arktur in orange-rotem Licht erscheint, leuchtet Wega bläulich. Mit 25 Lichtjahren Entfernung zählt Wega noch zu den Nachbarsternen unserer Sonne. Wega rotiert sehr rasch und ist daher stark abgeplattet. Eine Wega-Umdrehung dauert nur zwölf Stunden, während unsere Sonne sich einmal in 25 Tagen dreht. Wega ist ein Rotationsellipsoid und keine Kugel wie unsere Sonne. Ihr Poldurchmesser ist ein Zwanzigstel kürzer als der Äquatordurchmesser.
Während der Abendhimmel zurzeit ohne helle Planeten ist, tummeln sich die hellen Wandelsterne in der zweiten Nachthälfte. Venus beherrscht den Morgenhimmel. Kurz nach der Monatsmitte wechselt sie aus dem Sternbild Widder in den Stier, wobei sie immer nördlichere Positionen einnimmt. Der Morgenstern geht zu Monatsbeginn kurz vor 4 Uhr auf, Ende Juni bereits 20 Minuten früher.
Mars im Gebiet Fische und Walfisch nimmt merkbar an Helligkeit zu. Sein Aufgang erfolgt immer früher, am Monatsende erscheint er bereits eine Viertelstunde vor 2 Uhr morgens. Jupiter wird zum Planeten der zweiten Nachthälfte. Der Riesenplanet geht am 1. Juni knapp vor drei Uhr morgens auf, Ende Juni schon fünf Minuten nach ein Uhr. Saturn im Sternbild Steinbock verlegt seine Aufgänge in die Zeit um Mitternacht. Anfang Juni steigt der Ringplanet zwanzig Minuten vor zwei Uhr morgens über die östliche Horizontlinie, zu Monatsende bereits eine Viertelstunde vor Mitternacht.
Am 14. wird um 13.52 Uhr die Vollmondposition erreicht, wobei der Mond im Tierkreis-Sternbild Schlangenträger steht. Gut zwölf Stunden später kommt der Mond mit 357 300 Kilometern in Erdnähe. Das nahezu Zusammenfallen von Erdnähe und Vollmond führt zu Springfluten.
Die Sonne erklimmt am 21. Juni um 11.14 Uhr den Gipfelpunkt ihrer Jahresbahn, die Sommersonnenwende tritt ein. Danach steigt die Sonne nicht mehr höher, sondern sinkt wieder zum Himmelsäquator hinab, den sie am 23. September zu Herbstbeginn erreicht. Zurzeit sind etliche große Sonnenflecken zu sehen. Die Sonne strebt einem neuen Fleckenmaximum zu. Alle elf Jahre zeigt die Sonne besonders viele Flecken, wie schon 1843 der Apotheker Samuel Heinrich Schwabe aus Dessau erkannte. Sonnenflecken sind gewissermaßen das Wettergeschehen auf unserem Tagesgestirn.
HANS-ULRICH KELLER