Deutscher kocht in der Königsklasse

von Redaktion

Stefan Pappert bewirtet zum 70. Thronjubiläum die Gäste auf Schloss Windsor

Windsor/München – Was der Queen ihr Zepter, ist Stefan Pappert sein Kochlöffel. Der gebürtige Hesse schwingt ihn im Dienste Ihrer Majestät. Seit 2017 sorgt Pappert für das leibliche Wohl der Royals. „Als ich 2017 in Windsor übernommen habe, war das Thronjubiläum noch in weiter Ferne“, erinnert er sich. In den vergangenen Jahren hat der 44-Jährige bei fast allen wichtigen Ereignissen der Königsfamilie aufgetischt – bei Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen und Beerdigungen. Die Queen ernannte Pappert 2020 zum Master Chef of Great Britain – ein professioneller Ritterschlag für die Besten seines Fachs. „Diese Auszeichnung als Deutscher zu führen, ist an Respekt und Reputation nicht zu übertreffen“, freut sich der Geehrte. „Das Ganze jetzt noch mit dem 70. Thronjubiläum zu krönen, wird einzigartig!“

Als Appetithäppchen vorweg gibt’s eine gute Nachricht vom Küchenchef: „Ihre Majestät Queen Elizabeth II. ist trotz ihres hohen Alters noch fit und freut sich sehr auf die bevorstehenden Treffen und Feierlichkeiten.“ Und da stehen in den kommenden Tagen einige Events der Superlative auf dem Programm. Angefangen von der geschichtsträchtigen Militärparade Trooping the Colour am heutigen Donnerstag, bei der 1400 Soldaten, 200 Pferde und 400 Musikanten aufmarschieren, bis hin zum großen Rockkonzert am Samstagabend inklusive Schlussfeuerwerk über dem Buckingham Palast. Für kulinarische Knalleffekte ist in den kommenden Tagen Stefan Pappert zuständig. „Ich werde komplett auf Schloss Windsor bleiben und dort alle Mahlzeiten zubereiten, ebenso alle To-Go-Pakete für die Autofahrten und Reisen nach London“, erzählt er. „Da haben wir ein paar Cookies mit drin in der Handtasche“, verrät er.

Die Residenz in Windsor ist das älteste und größte bewohnte Schloss der Welt und mittlerweile der Hauptwohnsitz der britischen Monarchin. „Zum Thronjubiläum erwarten wir viele Familienmitglieder, darunter auch die Verwandtschaft aus Amerika“, berichtet Pappert weiter. Dementsprechend seien die Wachen auf volle Truppenstärke aufgestockt worden. Nicht weniger als 685 stattliche Männer – mit stattlichem Appetit. Schwerstarbeit für die Küchenmannschaft: „Insgesamt werden wir über 4000 Mahlzeiten pro Tag kochen, aufschneiden und bereitstellen“, erzählt der Küchenchef stolz. „Alleine an Holundersaft werden wir knapp 4800 Liter vor Ort haben. Den trinkt ganz Windsor.“ Und natürlich ist dafür gesorgt, dass die fleißigen Helfer am Herd die Highlights auf den Straßen Großbritanniens nicht verpassen. „Da wir in unserer Schlossküche multimedial und digital vernetzt sind, verfolgen wir alle Feiern via Beamer an großen Bildschirmen.“

Stefan Pappert rührt beruflich in einigen Töpfen, zum Beispiel auch als Küchenchef im Londoner Wembley Stadion. Das Herz des Profis hängt aber vor allem an der Küche auf Schloss Windsor, die er von seiner Wohnung in weniger als 40 Minuten erreichen kann. „Ein Prachtstück! Zwei Hirschen auf dem Grill? Kein Problem. Räucherofen? Vorhanden! Eigenen Bienenhonig und eine Metzgerei gibt es ebenfalls. Der Kräutergarten wird gehegt und gepflegt. Erdbeeren, Holunder, Haselnüsse und Johannisbeeren ernten wir frisch vor Ort.“ Was Pappert als „halben Münchner“ – er kochte unter anderem in der Allianz Arena, der Staatskanzlei und regelmäßig auf dem Oktoberfest – besonders freut? Augustiner Bier und Paulaner Spezi stehen regelmäßig auf der monatlichen Bestellliste. „Eine eisgekühlte Spezi ist der beste Durstlöscher, wenn es in den nächsten Tagen in der Küche heiß hergeht. Uns fehlt es wirklich an Nichts!“ Das sollen in den kommenden Tagen natürlich auch die Mitglieder der königlichen Familie und die Schar der internationalen Gäste sagen. „Seit Wochen sind wir im Palast auf Standby“, erzählt Pappert. „Jeder ist gespannt, nervös und sehr aufgeregt.“ Schließlich wird die Queen schon seit April gefeiert – auf der Royal Horse Show, bei Gartenpartys oder bei privaten Treffen mit Stars aus Kunst, Musik und Politik.

Eine Veranstaltung hat Stefan Pappert besonders berührt: Die Ausstellung aller Originalbilder mit dem Porträt der Queen für die Briefmarken der Royal Mail auf Schloss Windsor. „Nirgendwo konnte man die lange Geschichte und die unterschiedlichen Impressionen ihrer Regentschaft besser sehen.“ Bleibt die Frage, ob es ein Geheimrezept für das gesegnete Alter der Königin gibt?

„Nun, das könnte ich verraten, dafür müsste ich aber nochmals genau bei unserem Gin-Sommelier nachfragen“, scherzt der Fachmann in Anspielung auf die viel zitierte Vorliebe der Queen. „Oder es liegt am Münchner Stollen“, mutmaßt er. „Für uns das beste Importprodukt aus Bayern neben Nürnberger Rostbratwürschteln.“ Offenbar wurde Ihre Majestät von Ehemann Philip nicht umsonst mit dem Spitznamen Sausage (Würstchen) geneckt. „Die Motivation aller royalen Küchenchefs und deren Liebe zu gutem Essen tragen auf jeden Fall zur guten Gesundheit der Königin bei“, ist Pappert überzeugt. „Queen Mum war kulinarisch ja auch sehr europäisch-deftig eingestellt und sie wurde immerhin über 100!“ SABINE SCHWINDE

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