Am Sternenhimmel hält langsam der Herbst Einzug

Stuttgart – In den letzten Monaten war der Abendhimmel von hellen Planeten leergefegt – nun tauchen sie allmählich auf. Bereits mit Einbruch der Dunkelheit ist der ringgeschmückte Saturn im Sternbild Steinbock am Südosthimmel auszumachen. Vom Morgenhimmel zieht sich der Ringplanet langsam zurück. Bald nach Saturn erscheint Jupiter als auffällig helles Gestirn am Osthorizont. Am 26. September steht der Riesenplanet der Sonne genau gegenüber – also in Opposition.

In Opposition ist ein Gestirn die gesamte Nacht über am Firmament vertreten. Venus kann morgens noch tief am Osthimmel gesehen werden. Langsam zieht sie sich vom Morgenhimmel zurück und wird Ende September unsichtbar. Am 22. Oktober wird sie die Sonne überholen und taucht im Dezember dann am Abendhimmel auf.

Der sonnenfernste Planet Neptun im Sternbild Wassermann kommt in der Nacht vom 16. auf 17. September in Oppositionsstellung zur Sonne. Er ist 30-mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. In der Nacht vom 14. auf den 15. wird der grünliche Planet Uranus in der Zeit von 23 Uhr bis 0:30 Uhr vom abnehmenden Mond bedeckt. Vollmond tritt am 10. September um 11:59 Uhr im Sternbild Wassermann ein. Neumond wird am 25. September fünf Minuten vor Mitternacht erreicht. Die Erde fesselt mit ihrer Schwerkraft den Mond an sich. Aber auch die Sonne zieht den Erdtrabanten mit ihrer gewaltigen Masse an. Durch die Gezeitenreibung entfernt sich der Mond jedes Jahr um vier Zentimeter von der Erde. Zurzeit ist er Mond im Mittel 384 400 Kilometer entfernt. Wie weit darf er sich entfernen, bevor die Sonne ihn der Erde entreißt? Der US-Astronom Georg William Hill kam 1877 zu dem Schluss: Wenn der Mond sich mehr als knapp 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, verlieren wir unser Nachtgestirn. Für die nächsten Milliarden Jahre bleibt er uns erhalten.

Ein Blick zum Abendhimmel zeigt: Der Himmelswagen ist nach Nordwesten herabgesunken, das Himmels-W, die Kassiopeia, aber ist im Nordosten aufgestiegen. Das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Atair hat sich inzwischen deutlich nach Westen verschoben. Wega ist der helle Hauptstern der Leier. Zwischen den beiden von der Wega abgelegenen Sternen sieht man im Fernglas ein kleines, rundliches Lichtfleckchen, das sich im Teleskop als Ringlein entpuppt. Sternfreundinnen und Sternfreunden ist dieser Ringnebel wohlbekannt. Hier hat ein alternder Stern seine äußere Gashülle abgestoßen, die sich ins Weltall ausdehnt.

Am Osthimmel hat der Aufmarsch der Herbststernbilder begonnen. Allen voran geht das Leitsternbild des Herbstes: das Sternenquadrat des Pegasus, auch Herbstviereck genannt. An seiner Nordostecke hängt die Sternenkette der Andromeda. Im Sternbild Andromeda kann man bei sehr dunklem Himmel die Andromedagalaxie als längliches Lichtfleckchen erkennen. Die Sonne wechselt am 17. in den frühen Morgenstunden vom Sternbild Löwe in das der Jungfrau. Am 23. überschreitet sie exakt um 3:04 Uhr den Himmelsäquator in südlicher Richtung, das Herbstäquinoktium ist erreicht. Tag- und Nachtbogen der Sonne sind gleich groß – der Beginn des Winterhalbjahres. HANS-ULRICH KELLER

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Freitag, 10. Juli 2026
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