Streit um Camillas Krone

von Redaktion

Knatsch um Diamant Kohinoor: Regierung in London sieht Entscheidung bei Palast

London/Neu-Delhi – Die Krönung ist zwar erst im nächsten Mai, aber schon jetzt gibt es Ärger und diplomatische Verwicklungen um Camillas Krone. Im Streit um die Verwendung des aus Indien stammenden Diamanten Kohinoor bei der Krönung von König Charles III. und seiner Frau Camilla sieht die britische Regierung die Entscheidung beim Buckingham-Palast. „Der Palast ist sehr gut darin, die öffentliche und auch die internationale Stimmung einzuschätzen“, sagte der britische Außenminister James Cleverly am Donnerstag dem Sender Sky News.

Der weltberühmte hochkarätige Diamant ist Teil der Krönungskrone von Queen Mum, der Mutter von Queen Elizabeth II. Er stammt aus der ehemaligen britischen Kolonie Indien, wo er im 19. Jahrhundert in den Besitz der Britischen Ostindien-Kompanie gelangte. 1850 dann wurde der Stein anlässlich des 250. Gründungsjubiläums der Britischen Ostindien-Kompanie an Königin Victoria übergeben, die ihn zur heutigen Form hat schleifen lassen.

Wie die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtete, stieß die Aussicht, Camilla könne die Krone mitsamt Kohinoor bei der geplanten Krönung am 6. Mai 2023 aufgesetzt bekommen, in Indien nicht auf Begeisterung. Das könne schmerzhafte Erinnerungen an die Kolonialzeit wecken und die Menschen könnten sich in die Tage des Empires zurückversetzt fühlen, warnte demnach ein Sprecher der indischen Regierungspartei BJP. Der „Telegraph“ zitierte zudem Palastkreise, wonach die Verwendung des Diamanten oder der gesamten Krone geprüft werde.

Die Krone kann als Teil der Kronjuwelen im Londoner Tower besichtigt werden. Bereits kurz nach dem Tod von Queen Elizabeth II. forderten viele Inder in sozialen Medien die Rückkehr des Kohinoor-Diamanten, dessen Name „Berg des Lichts“ bedeutet, in seine indische Heimat.

Für die Regierung in London ist die Angelegenheit heikel: Sie bemüht sich derzeit darum, ein Handelsabkommen mit Indien unter Dach und Fach zu bringen und will daher Neu-Delhi keinesfalls verärgern.

Camillas neuer Titel ist offiziell „Queen Consort“, also Königsgemahlin. Zu ihrem 70-jährigen Thronjubiläum hatte Queen Elizabeth II. dies selbst noch festgelegt und damit eine jahrelange Debatte über Camillas Titel nach ihrem Tod beendet. Angeredet wird sie aber als „Queen Camilla“. Prinz Philip war dagegen immer nur Prinzgemahl. Als König wird in Großbritannien ausschließlich ein herrschender Monarch bezeichnet, der seine Position dank Geburtsrecht erhalten hat. Deshalb kann der Ehemann einer „Queen Regnant“ nicht als König tituliert werden. Ihm bleibt nur der Titel „Prince Consort“. Der Unterschied zwischen den Positionen des Prinzgemahls und des Königs ist wohl dem patriarchalischen Hierarchiesystem Großbritanniens geschuldet. Einem König wird – weil er ein Mann ist – mehr Macht zugeschrieben. Was im Fall von Elizabeth und Philip undenkbar gewesen wäre.

Die Krönungszeremonie am 6. Mai 2023 wird in sechs Abschnitte geteilt. Zunächst ruft der Erzbischof von Canterbury, der als geistliches Oberhaupt der Kirche von England den Gottesdienst leitet, Charles zum König aus. Dieser schwört dann den Eid, gemäß der Gesetze zu regieren und die Kirche zu schützen. Nachdem er die Bibel geküsst und seinen Eid unterzeichnet hat, folgen die Salbung mit geweihtem Öl, die Krönung sowie die Thronbesteigung. Zum Abschluss schwören der Erzbischof und die Prinzen dem König die Treue.  dpa/cjm

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