Schlammlawine reißt alles mit

von Redaktion

Erdrutsch auf Mittelmeerinsel Ischia: Mehrere Tote – Suche nach Vermissten dauert an

Casamicciola – Im Schlamm versunkene Autos, bis ins Meer gerissene Busse, Schutt und Verwüstung in den Straßen: Heftige Unwetter haben am Samstag im Norden der italienischen Mittelmeerinsel Ischia Überschwemmungen und Chaos angerichtet. Mindestens sieben Menschen ließen ihr Leben, teilte die zuständige Präfektur am späten Sonntagabend mit. Unter den Toten sei auch ein erst 22 Tage altes Baby. Fünf Menschen, darunter eine Familie, würden noch vermisst. Zuvor bargen die Rettungskräfte am Sonntag im stark betroffenen Ort Casamicciola eine 58-Jährige aus Bulgarien, ein 6-jähriges Mädchen, einen 11 Jahre alten Jungen sowie einen Mann (32) und eine Frau (30). Bereits am Samstag fanden sie in dem nördlich gelegenen Küstenort eine 31 Jahre alte Frau in den Schlammmassen. „Es ist eine Tragödie“, sagte der Zivilschutz-Chef, als das Ausmaß der Verwüstung zutage trat. In Rom betete Papst Franziskus für die Menschen auf Ischia – einer bei Touristen beliebten Insel, auf der auch Altkanzlerin Angela Merkel gerne Urlaub machte.

Das Unwetter brach in den frühen Morgenstunden über das Eiland mit etwas mehr als 60 000 Einwohnern herein. Besonders betroffen war der Küstenort Casamicciola im Norden. Zwischen Häusern fraß ein Erdrutsch eine Schneise der Zerstörung in einen Hang, wie Fotos zeigten. Die Gegend galt als Risikogebiet. Schnell wurden Stimmen laut, die Behörden hätten in den vergangenen Jahren nicht genug für den Schutz unternommen.

Schnell begannen die Aufräumarbeiten. Die Behörden waren zeitweise mit ungefähr 370 Feuerwehrleuten und Polizisten im Einsatz. Vom Festland legten Spezialisten, Fahrzeuge und weitere Verstärkung zu der Insel im Golf von Neapel ab. Das Militär entsandte Hubschrauber und rettete drei Erwachsene und zwei Kinder, die in einer Ferienanlage festsaßen. Andernorts retteten Einsatzkräfte einen Mann, der in einem Gebäude im Dunkeln bis zur Brust im Wasser steckte.

Am Samstag erschwerte das noch tobende Unwetter die Arbeiten. „Die Situation ist sehr kompliziert“, sagte Innenminister Matteo Piantedosi. Am Sonntag legte sich der Sturm zugunsten der Rettungskräfte. Nach letztem Stand holten sie 167 Menschen aus ihren Häusern und brachten sie etwa in einem Hotel unter. Viele hatten über Stunden im betroffenen Teil der Insel ihre Wohnungen nicht verlassen können. Die Verwaltung hatte die Menschen dazu angewiesen. Viele hatten keinen Strom mehr.

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni erklärte für ein Jahr den Notstand auf Ischia, um schneller Hilfsgelder freimachen zu können.

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