Halle-Attentäter als Geiselnehmer

von Redaktion

Stephan Balliet wollte aus dem Hochsicherheitsgefängnis Burg ausbrechen

Burg – Er verübte am höchsten jüdischen Feiertag ein Attentat auf die Synagoge in Halle und tötete zwei Menschen. Vor zwei Jahren wurde er wegen der rassistischen und antisemitischen Tat zur Höchststrafe verurteilt. Kaum war das Urteil gesprochen, warf er einen Gegenstand in Richtung der Nebenkläger. Der 30 Jahre alte Halle-Attentäter zeigt nun auch im Gefängnis seine Gefährlichkeit. Am Montagabend nahm er nacheinander zwei Bedienstete als Geiseln und zwang sie, ihm den Weg aufzuschließen Richtung Freigelände inmitten der Gefängnismauern. Sein Ziel war laut Justizministerium, in die Freiheit zu gelangen. Acht Justizvollzugsbedienstete konnten den Straftäter nach weniger als einer Stunde überwältigen. Der Halle-Attentäter wurde dabei verletzt, allerdings nicht schwerwiegend, wie es aus dem Justizministerium hieß. Die beiden als Geiseln genommenen Männer wurden äußerlich nicht verletzt, werden aber betreut.

Nun bleibt zu klären, wie dem 30-Jährigen die Geiselnahme gelingen konnte. Sachsen-Anhalts Justizministerin Franziska Weidinger (CDU) sagte, der Gefangene werde in dem Hochsicherheitsgefängnis in Burg engmaschig betreut und kontrolliert. Er lebt in einer übersichtlichen Einzelzelle. Gegenstände des täglichen Bedarfs darf er besitzen. Unklar ist, mit welcher Art Gegenstand der Gefangene die Bediensteten bedroht hat. Die Ermittlungen des Landeskriminalamts laufen.

Der Halle-Attentäter nutzte laut dem Justizministerium gegen 21 Uhr die Phase des Einschlusses vor der Nacht, um den ersten Bediensteten in seine Gewalt zu bringen. Er zwang ihn dazu, mit ihm den Weg auf den Freistundenhof zu gehen. Dort habe der Gefangene stark gestikulierend einen anderen Bediensteten aufgefordert, ihm den weiteren Weg im Inneren der Anstalt zu bahnen. Wie viele Türen die Bediensteten genau für den 30-Jährigen öffneten, war am Dienstag noch unklar. Laut der Justizministerin folgten mehrere Bedienstete dem Geiselnehmer und dem Kollegen. Ruhig und besonnen habe das Personal gehandelt, betonte die Ministerin.

Die Geiselnahme ist der vorläufige Höhepunkt des in weiten Teilen unkooperativen Verhaltens des Halle-Attentäters. Insider berichten von vielen „Sperenzchen“, die er sich leiste. Er bindet viel Energie des Personals und sorgt damit durchaus auch dafür, dass sich gewohnte Abläufe für andere Gefangene nicht immer einhalten lassen. Am Pfingstwochenende 2020 hatte der Mann bereits versucht, aus der JVA Halle zu fliehen. Während eines Hofgangs war er über einen 3,40 Meter hohen Zaun geklettert und hatte fünf Minuten ohne Aufsicht nach Auswegen aus dem Gefängnis gesucht, bevor ihn Justizbedienstete wieder schnappten. DÖRTHE HEIN

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