Eine Lüge rettete sein Leben

von Redaktion

Holocaust-Überlebender Sally Perel ist tot – Er war „Hitlerjunge Salomon“

Jerusalem/Braunschweig – Der als „Hitlerjunge Salomon“ bekannt gewordene Holocaust-Überlebende Sally Perel ist am Donnerstag im Alter von 97 Jahren gestorben. Das teilte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Abend in Jerusalem mit. Nach Informationen des NDR starb er im Kreise seiner Familie in Israel, wo er seit 1948 lebte.

Sally (eigentlich Salomon) Perel wurde 1925 im niedersächsischen Peine bei Braunschweig als Sohn eines Rabbiners geboren. Vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten floh seine Familie nach Polen. Nach dem deutschen Überfall auf das Land schickten die Eltern Salomon und seinen Bruder Isaak in den von der Sowjetunion annektierten Teil Polens, wo er als 14-Jähriger der Erschießung durch deutsche Truppen nur entging, weil er behauptete, ein „Volksdeutscher“ zu sein.

In der Folge diente er unter dem Namen Josef „Jupp“ Perjell einige Zeit als Dolmetscher in der Wehrmacht. Später machte er als Mitglied der Hitlerjugend eine Ausbildung zum Werkzeugmacher in Braunschweig. Seine 1990 veröffentlichte Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ wurde kurz darauf unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt.

Immer wieder gab er seine Erfahrungen während der NS-Zeit an junge Menschen weiter. 1999 wurde Perel mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. 2020 wurde er zum Ehrenbürger von Braunschweig ernannt. Damit wolle man sein „unermüdliches Engagement gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“ würdigen, hieß es. Er wirke als Botschafter für Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung. Obwohl seine Würdigung niemals eine Wiedergutmachung sein könne, solle sie ein Zeichen setzen, „das Mut macht, sich gegen Antisemitismus und Rechtspopulismus in der Gesellschaft zu behaupten“.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) würdigte Perel mit den Worten: „Wir alle sind ihm unendlich dankbar dafür, dass er von dieser Zeit berichtet, geschrieben und immer wieder den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen gesucht hat“, sagte Weil am Donnerstagabend in Hannover. „Sally Perel hatte eine unglaubliche innere Stärke“, sagte Weil. „Es muss ihm sehr schwergefallen sein, sich als Nazi auszugeben, um als Jude zu überleben.“ Durch seine Berichte und Lesungen habe er später Jugendlichen Toleranz und Respekt vermittelt und sie so gegen rechtsextremes Gedankengut gewappnet.

In Israel leben nach jüngsten Zahlen noch 150 600 Zeitzeugen des Holocausts. Mehr als tausend von ihnen sind bereits über 100 Jahre alt.

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