Der Menstruationsurlaub wird salonfähig – und Gesetz

von Redaktion

Toulouse – Margot Racaud, die in einer kleinen Öko-Möbelfabrik bei Toulouse arbeitet, hat wegen Menstruationsschmerzen schon oft Urlaubstage eingereicht. Seit gut einem Jahr ist dies nicht mehr nötig: Ihr Arbeitgeber zählt zu den wenigen in Frankreich, der seinen Mitarbeiterinnen jeden Monat einen Tag bezahlten Menstruationsurlaub gewährt – ohne Ankündigung, ohne Attest.

„Das hat mir enorm geholfen, mich nicht schuldig zu fühlen“, sagt Racaud. „Früher habe ich mich immer gezwungen, zur Arbeit zu kommen, aber ich war nicht sehr effizient. Ich habe mich vor Schmerzen in der Werkstatt gekrümmt, und dann habe ich doch einen Urlaubstag eingereicht“, sagt sie. Zudem habe sie ein schlechtes Gewissen gehabt, ihr Team im Stich zu lassen.

Was in Spanien inzwischen Gesetz ist, ist in Frankreich noch eine Ausnahme. Der Möbelhersteller Louis im südfranzösischen Labège hat gerade mal 19 Angestellte, neun von ihnen sind weiblich. Die „Louisettes“, wie die neun sich nennen, haben das Thema erst unter sich besprochen und sich dann an die Geschäftsleitung gewandt. Am Ende unterzeichneten alle eine entsprechende Betriebsvereinbarung.

„Niemand nutzt das aus. Allein die Tatsache, dass es möglich ist, tut uns gut“, sagt Produktionsleiterin Clothilde Soulé. Im vergangenen Jahr seien insgesamt nur elf Tage eingereicht worden. „Unser Hauptziel war es, das Tabu rund um die Menstruation zu brechen“, sagt Unternehmenschef Thomas Devineaux. Die Möglichkeit, Menstruationsurlaub einzureichen, habe zudem den Zusammenhalt und die Motivation des Teams gefördert. Auch die männliche Belegschaft ist stolz auf die neue Regel. „Im 21. Jahrhundert sollte das eigentlich normal sein“, meint der 24 Jahre alte Möbelschreiner Hugo Vabre.

Der Designer Quentin Lhommeau zeigt sich skeptisch, dass das Beispiel Schule macht. „Ich rede in meiner Umgebung oft davon, aber ich habe den Eindruck, dass die französische Gesellschaft noch nicht so weit ist“, meint er. Ein Gesetz, das Unternehmen dazu verpflichte, könne sogar kontraproduktiv sein und die Ungleichheit von Männern und Frauen im Beruf verstärken, fügt er hinzu.

Das spanische Parlament hat Mitte Februar ein Gesetz verabschiedet, das freie Tage bei Menstruationsbeschwerden ermöglicht. Das Gesetz eines in Europa bisher einzigartigen „Menstruationsurlaubs“ wurde mit 185 Ja-Stimmen, 154 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen angenommen. Laut der linksgerichteten spanischen Regierung soll mit der bisher in Europa noch nicht existierenden Regelung für ein Recht auf freie Tage für Frauen mit starken Regelschmerzen ein Tabu gebrochen werden. „Dies ist ein historischer Tag für feministische Fortschritte“, schrieb die Ministerin für Gleichstellung, Irene Montero, im Onlinedienst Twitter.  afp, dpa

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