Serienmörder wird selbst zum Mordopfer

von Redaktion

Berühmtester Killer Brasiliens wurde erschossen – Vorlage für beliebte „Dexter“-Serie

Mogi das Cruzes – Es erinnert an die Serie „Dexter“ – und das nicht ohne Grund: Ein brasilianischer Serienmörder, der in seinem Leben zigmal zur Selbstjustiz griff und nach eigenen Angaben mehr als hundert vorwiegend Kriminelle tötete, ist nun selbst erschossen worden. Pedro Rodrigues Filho sei am Sonntag in der Stadt Mogi das Cruzes mit mehreren Schüssen getötet worden, teilte die Behörde für öffentliche Sicherheit des Bundesstaats São Paulo mit. Die Täter konnten flüchten.

Der Serienmörder saß vor seiner Haustür, als zwei Männer aus einem Auto stiegen und seiner Verwandten sagten: „Geh mit deiner Tochter rein, das hat nichts mit dir zu tun.“ Dann schossen sie mehrmals auf Filho, schnitten ihm sogar noch die Kehle durch, bevor sie flüchteten.

Rodrigues hatte wegen Mordes 42 Jahre in Haft verbracht, bevor er 2018 freigelassen wurde. Berühmt wurde der 68-Jährige durch eine Reihe von Interviews in den brasilianischen Medien, in denen er behauptete, er habe seine Opfer wegen ihrer kriminellen Vergangenheit getötet. Zu seinen Opfern zählte er vor allem Drogenhändler, Vergewaltiger, Diebe und andere Kriminelle. Seine Taten brachten ihm den Ruf des „größten Serienmörders“ in der Geschichte Brasiliens ein.

Mit 14 Jahren beging der Brasilianer seinen ersten Doppelmord in seiner Heimatstadt Santa Rita do Sapucaí. Der stellvertretende Bürgermeister hatte Filhos Vater, der Wachmann in einer Schule war, wegen angeblichen Diebstahls von Lebensmitteln gefeuert. Daraufhin erschoss Rodrigues ihn mit der Schrotflinte seines Großvaters, richtete wenig später auch einen anderen Wachmann hin. Nämlich den, der den Diebstahl begangen haben soll. Wenig später stieg er zum Führer einer Straßengang auf. Als seine schwangere Freundin von einer rivalisierenden Gang getötet wurde, übte er Revanche, indem er alle Mitglieder ermordete.

Auch als er verurteilt war, tötete er im Gefängnis weiter. Mindestens 40-mal. Eines seiner Opfer war sein eigener Vater. Weil der Filhos Mutter getötet haben soll, erstach er ihn und riss ihm das Herz heraus.

Nach seiner Freilassung begann Rodrigues ein neues Leben als Star der Online-Netzwerke, der seine 250 000 Anhänger mit Geschichten aus seinem Leben faszinierte, spektakuläre Verbrechen kommentierte und junge Leute davor warnte, in die Kriminalität abzurutschen.

Die Kriminologin Ilana Casoy beschrieb ihn als charismatisch und intelligent. Er habe die Menschen in Brasilien in seinen Bann gezogen – einem Land, in dem nur zehn Prozent der Morde tatsächlich geahndet würden, sagte sie der Zeitung „Folha de São Paulo“.

Rodrigues inspirierte den Autor Jeff Lindsay zu einer Romanreihe über einen fiktiven amerikanischen Serienmörder namens Dexter Morgan. Der Erfolg der Serie, ihrer Fernsehadaption von 2006 und der Neuauflage von 2022 führte dazu, dass Rodrigues im Nachhinein weitreichende Medienaufmerksamkeit erlangte und als „brasilianischer Dexter“ berühmt wurde.  afp,cjm

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