Hamburg – Das Motiv des Attentäters, der in einem Gebäude der Zeugen Jehovas in Hamburg für ein Blutbad gesorgt hat, ist noch unklar. Aber es werden immer mehr Informationen über den Mann bekannt. Wie die Ermittler am Freitag bekannt gaben, handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um den 35-jährigen Philipp F., der aus Kempten im Allgäu stammt.
Dort ist er in einem streng evangelischen Haushalt aufgewachsen. Nach dem Abitur schloss er im Freistaat eine Ausbildung zum Bankkaufmann ab. Anschließend begann er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, das er mit einem Master in München beendete.
Sein beruflicher Werdegang führte ihn später weg aus seiner bayerischen Heimat, zunächst nach Frankfurt am Main und später nach Hamburg, wo er seit 2015 gemeldet war. In der Hansestadt war er bis zuletzt selbstständig tätig und leitete eine Firma im Bereich Consulting. Seine Familie soll nach wie vor in Bayern leben.
Den Behörden war F. nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht als Extremist bekannt. Allerdings tauchte sein Name in den Datenbanken der Sicherheitsbehörden auf, da F. eine waffenrechtliche Erlaubnis beantragt hatte. Dafür ist eine Abfrage der Zuverlässigkeit nötig, bei der Bezüge zu Straftaten und Extremismus geprüft werden.
Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bestätigte am Freitag, dass F. seit dem 20. Dezember 2022 im legalen Besitz einer halbautomatischen Waffe war. Dabei handelte es sich um die Tatwaffe. Zudem gibt es mittlerweile einen Hinweis auf eine psychische Erkrankung des Täters: Die Waffenbehörde habe dazu ein anonymes Schreiben erhalten. F. habe demnach eine besondere Wut auf religiöse Anhänger, vor allem auf die Zeugen Jehovas. Bei einem unangekündigten Kontrollbesuch der Waffenbehörde Anfang Februar habe es jedoch keine Beanstandungen gegeben.
F. war ein ehemaliges Mitglied der Zeugen Jehovas. Er habe die Glaubensgemeinschaft vor eineinhalb Jahren freiwillig, aber offensichtlich nicht im Guten verlassen. 2022 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Die Wahrheit über Gott, Jesus Christus und Satan“ über seine religiösen Überzeugungen. Darin schreibt er unter anderem, dass er drei Jahre lang die Hölle durchgemacht habe. Den Lesern will er „Werkzeuge“ an die Hand geben, „um bessere Entscheidungen in der Zukunft zu treffen und die Ursache von Problemen frühzeitig zu erkennen“. F. schreibt immer wieder, in welchem Verhältnis Gott und Jesus Christus zu Satan – der das Böse verkörpert – stehen. JONAS GRUNDMANN