Berlin – Es sind fünf unscheinbare Holzkisten, die von Bestattern gestern auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin in den Boden gelassen wurden. Doch in den Gebeinekisten befinden sich etwa 16 000 menschliche Knochenfragmente – und ein schweres geschichtliches Erbe.
Die Knochen wurden bei mehreren Grabungen seit 2015 auf dem heutigen Gelände der Freien Universität gefunden. Im Nationalsozialismus war dort das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik beheimatet. Die genaue Herkunft der Knochen konnte nicht abschließend geklärt werden. Klar ist: Sie stammen aus „Verbrechenskontexten“. Im Raum stehen Verbindungen zum Nationalsozialismus, dem Vernichtungslager Auschwitz und dem KZ-Arzt Josef Mengele, aber auch zur Kolonialgeschichte. „Zerbrochen, weggeworfen, in Erdlöchern verscharrt“, beschreibt der Direktor des Berliner Landesdenkmalamts, Christoph Rauhut, den Fundort der Knochen. „Heute wollen wir sie würdig beisetzen.“ Dafür versammelten sich rund 100 Menschen, um der Opfer in einer nicht-religiösen und nicht eurozentristischen Trauerfeier zu gedenken.