Berlin – Ein Hauch von Royal-Fieber in Berlin: Der britische König Charles III. und seine Frau Camilla haben am Mittwoch ihren dreitägigen Staatsbesuch in Deutschland begonnen. Das Paar – sie in frühlingshaftem Hellblau, er mit blauer Krawatte – wurde am Nachmittag auf dem Hauptstadtflughafen BER mit Salutschüssen begrüßt, bevor ihr Tross zum Brandenburger Tor in die Innenstadt aufbrach. Dort warteten Hunderte Schaulustige bereits Stunden vor der Ankunft auf die Chance, das Königspaar aus der Nähe zu sehen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender begleiten Charles und Camilla auf ihren Stationen in Berlin, Brandenburg und Hamburg (siehe Grafik). Der Besuch gilt auch als politisch bedeutsam: Es ist die erste Auslandsreise des neuen Königs noch vor seiner Krönung am 6. Mai. Drei Jahre nach dem Brexit soll die Visite die britische Verbundenheit mit Deutschland und Europa zeigen. Vor genau sechs Jahren kündigte die britische Regierung am 29. März 2017 den EU-Austritt offiziell an. Nun lasse man die „Wirren der Trennung“ hinter sich hieß es. Bundespräsident Steinmeier würdigte gestern den Besuch als „eine großartige persönliche Geste“.
Die Begrüßung mit militärischen Ehren fand erstmals am Brandenburger Tor statt und nicht wie üblich am Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Dafür harrten Royal-Fans stundenlang aus. Die ersten kamen nach eigenen Aussagen vor 7 Uhr an die Absperrungen am Pariser Platz.
Immerhin schien meist die Sonne, dunkle Quellwolken zogen erst mal vorbei. Die Polizei sprach sogar von „königlichem Wetter“. Am späten Vormittag wurden einige hundert Menschen vorgelassen, nachdem sie strikte Kontrollen durchlaufen hatten. Der Sicherheitsaufwand während des Staatsbesuchs ist insgesamt enorm. Rund 900 Beamte bot die Berliner Polizei gestern auf. Zuvor hatte ein Eurofighter der Bundeswehr die Maschine der Royals durch den deutschen Luftraum begleitet. Das Königspaar selbst wird geschützt von Spezialeinheiten des deutschen Bundeskriminalamts und Leibwächtern aus Großbritannien.
Nach den militärischen Ehren erwartete Bundespräsident Steinmeier den Staatsgast am Mittwochnachmittag zu einem Empfang mit Experten zu Energiewende und Nachhaltigkeit. Umwelt- und Klimaschutz sowie der ökologische Landbau sind für Charles seit Jahrzehnten Themen von besonderem Interesse.
Am Abend gab es ein Staatsbankett mit rund 130 Gästen. Es kamen nicht nur die früheren Bundespräsidenten Horst Köhler und Joachim Gauck sowie Altkanzlerin Angela Merkel, sondern auch die heutigen Präsidenten von Bundestag, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht. Promis wie Stararchitekt David Chipperfield oder Campino, Frontmann der Band Tote Hosen, standen ebenfalls auf der Gästeliste für den königlichen Abend auf Schloss Bellevue.
Steinmeiers Koch Jan-Göran Barth sorgte für das leibliche Wohl der Gäste. Gemüsebrühe, Spinattörtchen und Backpflaume: Charles III. isst beim Staatsbankett vegetarisch wie es bereits im Vorfeld hieß. Als Vorspeise bekamen die Gäste in Schloss Bellevue auf Wunsch gebeizten Karpfen mit Erfurter Brunnenkresse und Kraftbrühe vom Heckrind serviert. Beim Hauptgang konnte man demnach zwischen Weidehuhn mit Pilzen sowie Spinattörtchen mit Wurzelwerk und Pilzen wählen. Als Dessert folgte dann Backpflaume mit ostfriesischem Schwarztee und Sandgebäck – dazu Likörwein von der Ahr.
König Charles III. hat sich bei seiner Tischrede vor dem Essen zum Ausbau der Zusammenarbeit mit Deutschland bekannt: „Ich kann Ihnen nur versichern, dass ich in der Zeit, die mir als König vergönnt sein wird, alles tun werde, um unsere Beziehungen weiter zu stärken.“ Charles sagte, er und seine Frau seien „tief gerührt“ vom herzlichen Empfang in Deutschland. Der König ließ britischen Humor aufblitzen, als er darauf hinwies, dass er schon mehr als 40 Mal in Deutschland gewesen sei. „Darin zeigt sich natürlich, wie wichtig mir unsere Beziehungen sind – aber auch, so fürchte ich, wie lange es mich schon gibt.“ sas/dpa