Florenz – Kunst oder Pornografie, um diese Frage dreht sich aktuell eine Debatte, die aus den USA nach Europa geschwappt ist. Im Zentrum steht die weltberühmte David-Statue von Michelangelo.
Laut Medienberichten soll eine Schuldirektorin in Florida ihren Job verloren haben, nachdem sie ihrer Klasse ein Bild der nackten Statue gezeigt hat. Demnach hätten sich Eltern über den Inhalt des Unterrichts beschwert, ein Elternteil soll das Bild von Michelangelos David als „pornografisch“ bezeichnet haben. Üblicherweise werden Eltern per Brief informiert, bevor den Schülern solche Kunstwerke gezeigt werden, sagte die ehemalige Direktorin der „Huffington Post“. Aufgrund „einer Reihe von Missverständnissen“ sei der Brief nicht an die Eltern der Sechstklässler gegangen. Die Berichte haben auch in Florenz, wo die monumentale Statue aus der Zeit der Renaissance in der Galleria dell’Accademia steht, für Aufsehen gesorgt. Der Bürgermeister der Stadt meldete sich via Twitter zu Wort. „Kunst mit Pornografie zu verwechseln ist einfach lächerlich“, twitterte Dario Nardella. Er werde die ehemalige Direktorin nach Florenz einladen, „um ihr im Namen der Stadt ihre Anerkennung auszusprechen. Kunst ist Zivilisation und wer sie lehrt, verdient Respekt.“ Die Direktorin der Galleria dell’Accademia, Cecilie Hollberg, empörte sich: „Das ist absurd. Nacktheit ist nicht dasselbe wie Pornografie“, zitiert sie die italienische Tageszeitung „La Repubblica“.
Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov findet es übrigens auch eine Mehrheit der Deutschen (78 Prozent) unproblematisch, Kindern die Darstellung von Nacktheit in bedeutenden Kunstwerken zu zeigen.