Stopp für die E-Scooter?

von Redaktion

Pariser stimmen über Roller ab – Teil der Verkehrswende von Bürgermeisterin Hidalgo

Paris – Die Bewohner von Paris konnten am Sonntag in einer Bürgerbefragung darüber abstimmen, ob der Verleih von E-Scootern in der Stadt beibehalten oder abgeschafft wird. Drei Vermieter bieten in Paris insgesamt 15 000 E-Scooter an, mit denen Touristen und Einheimische oft recht unvorsichtig unterwegs sind. Es gibt Unfälle und Chaos auf den Bürgersteigen sowie den Ruf nach einem Verbot. Die Lizenz für die Vermieter läuft Ende August aus. Paris betrachte den Ausgang der Bürgerbefragung unabhängig von der Beteiligung als bindend, betonte ein Stadtsprecher.

Ärger machen E-Scooter oft auch in deutschen Städten. Viele Kommunen haben dem Abstellchaos hierzulande inzwischen den Kampf angesagt. So gibt es mancherorts bereits gesonderte Abstellflächen für die Elektro-Roller und Knöllchen für falsch abgestellte Fahrzeuge.

Wenn es nach der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo geht, die die Befragung angestoßen hat, wird der Verleih von E-Scootern in ihrer Stadt ganz beendet. E-Scooter seien nicht umweltfreundlich und die Angestellten der Unternehmen nicht angemessen geschützt, meinte sie. Die Benutzung von privaten E-Scootern soll auf jeden Fall nicht eingeschränkt werden. Monatlich nutzen rund 400 000 Menschen in Paris die „Trottinettes“, wie die E-Scooter auf Französisch heißen. 1,7 Millionen Fahrten seien allein im Oktober mit den Rollern zurückgelegt worden, berichtete die Zeitung „Le Parisien“.

Anfang Dezember erst hatten die Vermieter der Roller die Regeln verschärft, um ein drohendes Verbot abzuwenden. Benutzer müssen bei der Registrierung ihren Ausweis einscannen, damit nur Erwachsene die Scooter nutzen und Rowdys leichter identifiziert und von der Vermietung ausgeschlossen werden können. Erleichtern soll das auch das Verfolgen von Verkehrsverstößen mit den Rollern, die außerdem Nummernschilder erhalten sollen. Zugesichert wurde, dass ungenutzt auf Bürgersteigen und Plätzen herumliegende Scooter flotter weggeräumt werden. Die Vermieter wollten dazu doppelt so viel Personal einsetzen.

Die Entscheidung der Stadt sei für die großen E-Scooter-Anbieter von immenser Bedeutung, denn Paris gelte als weltweit wichtigste Stadt für die sogenannte Mikromobilität mit elektrisch angetriebenen Kleinstfahrzeugen, berichtete die Wirtschaftszeitung „Les Échos“. Wenn Paris den Scootern die Rote Karte zeige, drohten viele andere Städte nachzuziehen, sagte der Chef eines Anbieters der Zeitung. Wenn die Lizenz für Paris verlängert wird, wollen die Anbieter demnach in Verbesserungen investieren – darunter E-Scooter für Gehbehinderte und eine Technik, mit der auf Gehwegen liegende Scooter schnell lokalisiert werden können.

Bürgermeisterin Anne Hidalgo treibt seit Jahren die Verkehrswende in Paris voran. Uferstraßen an der Seine wurden für Autos gesperrt und für Fußgänger zugänglich gemacht. Die Zahl der Radwege wächst, neue Grünflächen werden angelegt, und im Stadtgebiet wurde fast überall Tempo 30 eingeführt.

Obwohl der Radverkehr zugenommen hat, stößt die Verkehrswende auch auf Widerstand. Handwerker und Lieferanten klagen, dass sie oft nicht mehr in der Nähe ihrer Kunden parken können. Eine autofeindliche Politik wird Hidalgo etwa von Bewohnern des Umlandes vorgeworfen, das nicht mehr an die Metro angeschlossen ist.

Erst am vergangenen Donnerstag war bekannt geworden, dass der Verkehr im Zentrum von Paris weiter eingeschränkt werden soll, damit Bewohner und Touristen ungestörter zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs sein können. Bis Anfang kommenden Jahres werde im Herzen der Hauptstadt eine verkehrsberuhigte Zone geschaffen, in der der Platz für den Autoverkehr drastisch reduziert werde.

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