Triumphfahrt auf dem Petersplatz

von Redaktion

Nach seiner überstandenen Bronchitis feiert der angeschlagene Papst Franziskus Ostern

Rom – Es ist schon fast Mittag am Ostersonntag, als Papst Franziskus sich auf eine Ehrenrunde auf dem Petersplatz macht, die mehr ist als das. Langsam bewegt sich das Papamobil vom Vorplatz des Petersdomes bergab, sechs Leibwächter begleiten den Wagen im Schritttempo. Franziskus sitzt auf einem weißen Drehsessel, bewegt sich nach links und rechts, winkt in die Menge und strahlt. „Wir haben dich lieb“, ertönt es immer wieder aus der Menge. Gläubige, man könnte sie auch Fans nennen, rufen begeistert den Namen des Papstes.

Franziskus, der 86 Jahre alte und gerade von einer schweren Bronchitis genesene Papst, der Ende März zu einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt gezwungen war, ist für eine Weile wieder eine Ikone. Dieses Osterfest ist auch seine kleine persönliche Auferstehung. Das ist der eigentliche Zweck der fast 15 Minuten dauernden Fahrt über den Platz. Bilder von so einem Triumphzug tun auch der Kirche gut. So lautet vermutlich das Kalkül der vatikanischen PR-Manager.

Es war ja nicht selbstverständlich, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche am höchsten Fest der Christenheit selbst präsent sein würde. Vor zehn Tagen war der 86-Jährige mit Atemnot in die römische Gemelli-Klinik eingewiesen worden. Diagnose: Bronchitis. Weil Franziskus in den vergangenen Monaten immer wieder gesundheitliche Probleme hatte und der Vatikan den Fall zunächst als Routinekontrollen verharmloste, kam es zu wilden Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Doch schon am Palmsonntag stand Franziskus sichtlich geschwächt der Messe vor. Da lag die Entlassung aus dem Krankenhaus gerade 24 Stunden zurück.

Am Gründonnerstag ließ es sich Franziskus nicht nehmen, den ihm besonders am Herz liegenden Ritus der Fußwaschung an Insassen des römischen Jugendgefängnisses Casal di Marmo vorzunehmen. Die zehn Männer und zwei Frauen nahmen auf einem Podest Platz, damit sich der Papst nicht bücken musste. Seit Anfang 2022 leidet Franziskus unter schweren Knieschmerzen. Wie Jesus den Aposteln wusch und küsste er den jugendlichen Straftätern die Füße, reichte ihnen die Hand und lächelte. Er wirkte ein wenig kraftlos, aber freundlich und wach.

Auch an der Karfreitagsliturgie im Petersdom nahm Franziskus teil. Er wurde im Rollstuhl in die Basilika geschoben. Sein Atem ging schwer, vielleicht war das bisherige Programm schon etwas zu viel. Tatsächlich sagte der Vatikan dann die Teilnahme des Papstes abends an der Via Crucis beim Kolosseum ab. Es sei zu kalt für den Genesenden. Zur Feier der Osternacht am Karsamstag in Sankt Peter war Franziskus dann wieder präsent.

„Ostern bedeutet Übergang“, sagte der Papst in seiner Predigt. Die Rede war auch vom „bitteren Geschmack der Müdigkeit“. Seit Juli 2021, als sich Franziskus einer schweren Darmoperation unterziehen musste, wirkt das Amt für ihn oft wie eine Bürde. Nach der Ostermesse am Sonntag wirkte der Papst dann bestens gelaunt. Bis zu 100 000 Menschen hätten den Petersplatz bevölkert, teilte der Vatikan mit. Nach der Messe ließ sich Franziskus im Rollstuhl zu den Kardinälen fahren, um sie per Handschlag zu begrüßen. Selbst mit erklärten Kritikern des Pontifikats wie Walter Brandmüller oder Robert Sarah lachte Franziskus.

Es folgte die Triumphfahrt auf der Piazza. Anschließend sprach der Papst den Segen „Urbi et orbi“ von der Mittelloggia der Basilika. Kardinaldiakon James Michael Harvey sagte zuvor ins Mikrofon: „Beten wir zum Allmächtigen, dass er den Papst noch lange an der Spitze der Kirche hält und der Kirche in der ganzen Welt Frieden und Einigkeit beschert!“ JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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