Krisenherd Sudan: Blutiger Machtkampf der Generäle

von Redaktion

Khartum – Dichte Rauchwolken stiegen gestern über Sudans Hauptstadt Khartum auf. Im Land bekämpfen sich Soldaten der regulären Streitkräfte und Einheiten der paramilitärischen „Rapid Support Forces“. Die wichtigsten Fragen zum Konflikt:

Worum geht es?

In dem Konflikt stehen sich die Soldaten der regulären Armee und die paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF) gegenüber. Es geht um die Macht im Sicherheitsapparat – und damit letztlich um den Einfluss auf den Sudan insgesamt sowie die Kontrolle von Ressourcen wie Gold. So kontrollieren die Sicherheitskräfte im Sudan große Teile der Wirtschaft.

Warum ist der Konflikt jetzt eskaliert?

Im Jahr 2021 haben Armee und RSF geputscht und eine aus Zivilisten und Militärs zusammengesetzte Übergangsregierung abgesetzt. Seitdem wird das Land von dem sogenannten Übergangsrat kontrolliert. An dessen Spitze steht der Kommandeur der regulären Streitkräfte, General Abdul Fattah Al-Burhan. Sein Stellvertreter – nun auch Widersacher – ist der Oberbefehlshaber der RSF-Paramilitärs, Mohamed Hamdan Daglo, genannt „Hemeti“. Vergangene Woche war eine Frist zu Vorstellung eines Plans zur Rückkehr zur Demokratie im Sudan verstrichen. Voraussetzung dafür sollte die Integration der „Rapid Support Forces“ in die Strukturen der nationalen Armee sein.

Wer sind die „Rapid Support Forces“?

Die Einheit geht auf die Dschandschawid-Miliz zurück, die im Darfur-Krieg aufseiten der Regierung gegen die Rebellion nicht arabischer Sudanesen gekämpft hatte. Der Miliz, die damals schon unter dem Kommando von „Hemeti“ stand, werden schwere Menschenrechtsverbrechen wie ethnische Säuberungen vorgeworfen. Im Jahr 2013 gründete der damalige Machthaber Al-Baschir aus ihr die RSF-Spezialeinheit. Damit wollte er sich u.a. gegen mögliche Konkurrenz aus dem Militärapparat absichern. Der jetzige Befehlshaber „Hemeti“ war einst Kamelhändler. Inzwischen setzt er seine Truppen auch für seine persönlichen wirtschaftlichen Interessen ein. So eroberten sie im Jahr 2017 die lukrativste Goldmine im Land, was „Hemeti“ zu einem der größten Goldhändler und -exporteure gemacht hat.

Was sind jetzt die Folgen für die Zivilbevölkerung?

Auch eine dritte angekündigte Waffenruhe ist gestern gebrochen worden. Dies berichteten Anwohner und Medien am Donnerstag. Dabei gerät die Zivilbevölkerung im Machtkampf zwischen Armee und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF) immer mehr zwischen die Fronten. Seit Beginn des Konflikts sind laut Weltgesundheitsorganisation mindestens 296 Menschen getötet worden, mehr als 3000 wurden verletzt. Tausende Einwohner versuchen die Hauptstadt, in der die Kämpfe bislang am schlimmsten wüteten, zu verlassen. Sie müssen entscheiden, was sicherer ist: sich zuhause zu verschanzen, mit der Gefahr bombardiert zu werden, oder zu fliehen – unter der Gefahr, im Kreuzfeuer erschossen zu werden. Die Gesundheitsversorgung sei so gut wie zusammengebrochen, sagte das sudanesische Ärztekomitee. Augenzeugenberichten zufolge liegen Leichen auf den Straßen der Hauptstadt.

Welche strategischen Ziele verfolgt die russische Wagner-Gruppe in dem öl- und goldreichen Land?

„Momentan wartet Wagner – und damit de facto Russland – ab, welche Partei die Oberhand gewinnt“, sagt Ben Hunter, Ostafrika-Analyst der britischen Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft. Später werde sich die kremlnahe Söldnergruppe auf die Seite der Sieger stellen, um dann direkten Einfluss zu nehmen. Es geht um die Macht in dem öl- und goldreichen Land Sudan. Wagner sei auf dem Kontinent eine opportunistische Gruppe, der es vor allem um Zugang zu Bodenschätzen gehe, so Hunter. Laut einem Bericht der Globalen Initiative gegen grenzüberschreitende organisierte Kriminalität verfolgt die Wagner-Gruppe bereits in mehr als einem Dutzend afrikanischen Ländern wirtschaftliche Ziele.

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