Erobern sich Bären die Natur zurück?

von Redaktion

Rund 17 000 Tiere in Europa – In Oberbayern wurden Spuren im Schnee entdeckt

Berlin – Schafsrisse und ein tödlicher Angriff auf einen Menschen – Bären sind gerade Gesprächsthema. Ist eine dauerhafte Rückkehr nach Deutschland möglich? Und wie ist die Lage in anderen europäischen Ländern?

In Italien kam es kürzlich zu einem Bärenangriff, bei dem ein 26-jähriger Jogger in der Trentiner Gemeinde Caldes getötet wurde. Im oberbayerischen Rosenheim riss ein Braunbär Schafe auf einer Alm. Nun wurden auch im Grenzgebiet der Landkreise Rosenheim und Miesbach zu Österreich Bärenspuren im Schnee gefunden. Im äußersten Süden Deutschlands fragen sich nun viele: Kommen die Tiere zurück?

Grundsätzlich halten das staatliche Experten zumindest langfristig für denkbar: Hinweise aus den bayerischen Landkreisen Oberallgäu und Garmisch-Partenkirchen in den Jahren 2019 bis 2022 würden zeigen, dass sich Braunbären an den Grenzgebieten zu Deutschland aufhalten. Eine dauerhafte Wiederbesiedlung von Braunbären in Deutschland sei laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) in unmittelbarer Zukunft nicht wahrscheinlich, „langfristig jedoch auch weiterhin nicht auszuschließen“. Nach Angaben des WWF leben in Europa insgesamt aktuell rund 17 000 Braunbären.

Das Karpatenland in Rumänien zählt eine der größten Populationen. Eine Studie, die das Umweltministerium in Auftrag gab, beziffert die Zahl der Bären in Rumänien mit 7500 bis 8000. Zugleich hält das Ministerium eine Zahl von 4000 für vertretbar. In den Jahren 2021 und 2022 verzeichnete das Umweltministerium 47 Bärenangriffe auf Menschen. Die rumänische Regierung hat vorgeschlagen, jährlich dreimal so viele Bären zu töten wie im vergangenen Jahr, um eine „Überbevölkerung“ der geschützten Tierart einzudämmen.

Nach dem aktuell präsentierten Vorschlag könnten pro Jahr bis zu 426 Bären geschossen werden; im vergangenen Jahr waren es 140. Der Vorschlag zog umgehend die Kritik von Umweltschützern auf sich.

Italiens Bärenpopulation ist im Norden des Landes im Trentino, im Grenzgebiet zu Slowenien sowie im zentralen Apennin rund um die Regionen Abruzzen, Latium und Molise vorhanden. Im Trentino melden die Behörden seit dem EU-Ansiedlungsprojekt „Life Ursus“ etwa 100 wild lebende Bären – dort nimmt die Zahl immer weiter zu. Die nach einer tödlichen Attacke auf einen Jogger in Norditalien eingefangene Bärin JJ4 soll nach dem Wunsch von Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin nicht getötet, sondern umgesiedelt werden. „Wir müssen einen Ort finden, wo wir den Bären hinbringen. Ihn zu erlegen ist keine Lösung“, sagte der Politiker am Freitag.

Die letzte Zählung von Braunbären in Schweden stammt von 2017. Damals gab es rund 2900. Dort stehen sie streng unter Schutz und dürfen nur unter streng kontrollierten Bedingungen gejagt werden. Eine sogenannte Schutzjagd kann zugelassen werden, um etwa Schäden an Rentieren, Vieh oder Häusern zu verhindern. In Kroatien leben etwa 1000 bis 1200 Braunbären in freier Wildbahn, davon 400 bis 500 im Nationalpark Velebit im Hinterland der Kvarner Bucht, die an der oberen Adria liegt. In Spanien gibt es nach Angaben der privaten Stiftung Braunbären geschätzt knapp 450 Tiere, davon rund 70 im Grenzgebiet der Pyrenäen mit Frankreich.

Der Naturschutzverband WWF sieht im Zusammenhang mit den aktuelle Bärenspuren Missstände beim Herdenschutz vor wilden Tieren in Bayern. „Die Tierhalter und Wanderschäfer im Freistaat werden mit den Herausforderungen, die sich durch das Auftauchen eines Bären stellen, bislang allein gelassen“, kritisierte Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere Deutschland und Europa beim WWF Deutschland am Freitag. Der WWF regt den Einsatz entsprechend ausgebildeter Hirten an. MELISSA ERICHSEN/sas

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