Bad Bramstedt – Seit Jahrzehnten ist Arved Fuchs auf abenteuerlichen Reisen zwischen Nord- und Südpol unterwegs. Was ihn immer stärker umtreibt, ist der Klimawandel. Am Mittwoch (26. April) wird der Autor und Polarforscher 70 Jahre alt und denkt keineswegs an Ruhestand.
Der Plan steht fest: Mit seinem auf vielen Nordmeerfahrten bewährten Segler Dagmar Aaen will Fuchs schon bald nach seinem 70. zur nächsten Etappe des Projekts Ocean Change aufbrechen. Es führt die Crew in die Nord- und Ostsee. Als Basis dient Fuchs das Haus, in dem er aufgewachsen ist, am Rande der holsteinischen Kleinstadt Bad Bramstedt. Inmitten der von Mooren, Wäldern und Wiesen geprägten Landschaft konnte er schon als Kind seinem Abenteurer-, Entdecker- und Forscherdrang nachgehen. So war er mit einem selbst gebauten Floß und im Paddelboot auf heimischen Gewässern unterwegs. „Das war immer da“, sagt Fuchs zum Abenteuerdrang. Einen Fernseher hatte die Arztfamilie nicht, dafür jede Menge Bücher – über Fridtjof Nansen und Roald Amundsen etwa, die den jungen Fuchs früh für die arktische Region einnahmen. „Die Nähe zu Skandinavien hat mich auch geprägt“, sagt er.
Ging es bei den frühen Unternehmungen wie einer Grönlanddurchquerung auch noch stark um das Ausloten der eigenen körperlichen und psychischen Grenzen, kam für Fuchs im Lauf der Zeit immer stärker der Aspekt des Schutzes vor allem der verletzlichen polaren Regionen dazu. „Wenn man merkt, dass irgendetwas kaputt gemacht wird, dann ist mir das zumindest nicht egal. Ich bin immer ein politisch denkender Mensch gewesen“, sagt der Mann, der als erster Mensch Nord- und Südpol innerhalb eines Jahres erreichte.
Im Jahr 2015 gründete Fuchs das Projekt Ocean Change, bei dem es darum geht, die Veränderungen in den Ozeanen und um sie herum zu dokumentieren – etwa Auswirkungen von Klimawandel oder Vermüllung auf Natur und Menschen. Seit 2021 gibt es eine Verbindung zum Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, das während der Fahrten der Dagmar Aaen Daten aus Gegenden bekommt, in denen sonst niemand unterwegs ist. Fuchs betont aber, er sei kein Wissenschaftler. Die Zusammenarbeit könne helfen, dass Wissenschaft die Menschen erreicht. „Das Problem des Klimawandels lösen wir nur, wenn wir alle mitnehmen.“
Dazu gehört für Fuchs auch ein Bewusstseinswandel: „Warum muss ich mit dem SUV zum Brötchenholen fahren? Ich kann auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß dahin kommen. Das ist kein Verlust von Lebensqualität, sondern das ist ein Gewinn.“ Zu den Aktionen der Klimaschutzgruppe Letzte Generation geht Forscher Fuchs auf Distanz – wenngleich er „die Verzweiflung der jungen Menschen gut verstehen“ könne. „Ich finde es perfide, wenn man sie in die Ecke mit Terroristen stellt“. so Fuchs. Allerdings glaubt er auch: „Mit ihren Klebe-Aktionen spalten sie die Gesellschaft.“ Nötig sei angesichts des Klimawandels genau das Gegenteil, und zwar ein „Schulterschluss aller gesellschaftlichen Kräfte“.
Dafür wird sich Arved Fuchs auch nach seinem 70. Geburtstag mit aller Kraft einsetzen, obwohl der Jubilar auch zugibt, dass die physische Belastbarkeit mit den Jahren nachlasse. „Ich könnte heute keinen 130 Kilogramm schweren Schlitten mehr durch die Antarktis ziehen, das will ich aber auch gar nicht.“ Auch müsse er nicht mehr bei Windstärke zehn in die Takelage klettern. Dass er bei seinen Expeditionen auch große Risiken eingehe, sei ihm immer bewusst gewesen. Vielleicht gehe er damit anders um als andere Menschen. „Jedenfalls belastet mich das nicht.“ DPA/sas