Portofino – Wer im Urlaub gerne Selfies knipst, sollte sich künftig besser nicht in Portofino aufhalten. Die malerische Stadt an der italienischen Riviera hat jetzt Halteverbotszonen eingeführt, um zu verhindern, dass Touristen die beliebtesten Aussichtspunkte mit ihren Fotoaufnahmen blockieren. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldstrafen.
Es war vor genau einem Jahr, als Kim Kardashian barfuß in Portofino spazieren ging. Sie war mit dem versammelten Familien-Tross zur Hochzeit ihrer Schwester Kourtney nach Bella Italia gereist. Ihre Stöckelschuhe zog die Influencerin aus, um mehr Halt auf dem Kopfsteinpflaster zu haben. Wer es dem US-Model nachmachen will, der sollte wissen, dass auch Barfußlaufen in dem pittoresken ligurischen Küstendorf fortan mit einer Geldstrafe geahndet wird. Der Bürgermeister des Dorfes an der italienischen Riviera südöstlich von Genua will angesichts des wieder zunehmenden Ansturms auf Portofino nun hart durchgreifen.
Matteo Viacava setzte sogar ein Selfie-Verbot durch. Er begründet die Maßnahme damit, dass Touristen in der Vergangenheit teils ein „anarchisches Chaos“ in seiner Stadt verursacht hätten. Gerade einmal zwei Quadratkilometer umfasst das Gemeindegebiet, nur knapp 400 Menschen sind in dem weltberühmten Fischerdorf gemeldet, das für seine bunten Häuser mit Blick aufs Meer bekannt ist. Viele sehen darin eine perfekte Fotokulisse. Wenn nun bei schönem Wetter die Wochenend-Ausflügler herbeiströmen, spielen sich in Portofino Szenen wie auf dem Münchner Oktoberfest ab. Die Wege sind verstopft, die Plätze überfüllt. Und schuld daran ist der Gemeinde zufolge vor allem die Eitelkeit der Touristen. Fast jeder ist bemüht, an den malerischsten Orten des Dorfes wie der Hafenpromenade oder der Piazzetta dei Martiri dell’Olivetta ein Selfie zu machen und damit seine Social-Media-Plattformen zu bedienen. Die Folge: Die Menge staut sich, es ist kein Durchkommen mehr. So kam es sogar schon vor, dass der Krankenwagen wegen der Selfie-Manie stecken blieb. Diese Verhältnisse wollte Bürgermeister Viacava nicht mehr dulden, ihm schwant angesichts der beginnenden Saison Übles. Seit April – genauer seit dem Osterwochenende – und bis Oktober gilt nun von 9 bis 18 Uhr ein Halteverbot für Fußgänger. Wer dagegen verstößt und erwischt wird, muss mit Geldstrafen von bis zu 275 Euro rechnen. Das Selfie wird zum teuren Spaß.
Als es die ersten Proteste gab, lenkte der Bürgermeister Matteo Viacava ein. „Wir appellieren in erster Linie an die Reise-Veranstalter, sie mögen bitte unsere Regeln respektieren!“ Weil man in Portofino aber offenbar fürchtet, seinen guten Ruf zu verlieren, bleibt es nicht beim Selfieverbot. Wer barfuß läuft, nur Badehose trägt oder sich mit nacktem Oberkörper durch die malerischen Gässchen Portofinos zwängt, auch der muss künftig mit einer Geldstrafe rechnen. JULIUS MÜLLER-MEININGEN / sas