Faenza – Nach heftigen Regenfällen ist es in den italienischen Regionen Emilia-Romagna und den Marken zu teils dramatischen Überschwemmungen gekommen. Das Gebiet an der Adriaküste wird seit Dienstag von schweren Unwettern heimgesucht. Mindestens neun Menschen kamen dabei ums Leben. Es gibt zudem Berichte über Vermisste.
Am stärksten betroffen sind die Provinzen Ravenna, Forlì-Cesena, Rimini und Bologna – und dort insbesondere die Städte Faenza, Cesena und Forlì. Einsatzkräfte retteten Menschen, die in ihren Häusern vom Wasser eingeschlossen waren, oder in den Wassermassen gestrandete Autofahrer. In der Stadt Cesena, wo der Fluss Savio über die Ufer getreten ist, haben die Einsatzkräfte dutzende von Menschen gerettet, die auf den Dächern ihrer Häuser festsaßen. Italien wird dieses Jahr bislang von Wetterextremen geplagt. Während es im Winter und Anfang Frühjahr noch sehr trocken war und Flüsse sowie Seen außergewöhnlich wenig Wasser führten, kam es nun zu heftigen Niederschlägen. „Überschwemmungen und Dürre sind sich ergänzende Ereignisse, die sich nicht gegenseitig aufheben“, erklärte der Klimaforscher Massimiliano Pasqui vom italienischen Nationalen Forschungsrat in der Zeitung „Corriere della Sera“. „Die Böden haben monatelang Feuchtigkeit verloren. Aber da sie ausgetrocknet sind, können sie das Regenwasser nicht mehr aufnehmen, das in diesen Stunden in enormen Mengen über die ausgetrockneten Flächen läuft und den Weg für Überschwemmungen ebnete.“
Wegen der außergewöhnlich heftigen Niederschläge traten 21 der insgesamt 23 Flüsse in der Region über die Ufer. 37 Gemeinden waren vom Hochwasser betroffen. Die Behörden registrierten zudem 250 Erdrutsche, 120 davon mit schweren Folgen.
Regionalpräsident Stefano Bonaccini sprach von „unglaublichen Zahlen und sehr vielen Evakuierten“.Der Zivilschutz berichtete zudem von etwa 50 000 Menschen ohne Strom und 100 000 Leuten ohne Mobilfunknetz. Der regionale Bahnverkehr in der Emilia-Romagna wurde komplett eingestellt. In 36 Stunden habe es pro Quadratmeter durchschnittlich 200 Liter Wasser geregnet, in manchen Gegenden sogar 500 Liter.
Eine Frau in Faenza berichtete, wie schnell sich die Wassermassen ihren Weg bahnten – innerhalb von zehn Minuten stieg das Wasser nach ihren Worten fast bis zum ersten Stock ihres Hauses. „Eine Nachbarin von mir war allein mit vier kleinen Kindern im Haus, sie rief um Hilfe und niemand kam. Wir blieben die ganze Nacht bei ihnen, im Schlafanzug. Die Kinder weinten. Eine Katastrophe.“
Auch am Donnerstag galt noch Alarmstufe Rot. Im Laufe der Woche soll das Wetter aber besser werden und Richtung Pfingstferien sind an der Adria bis zu 27 Grad angesagt – bei einer Wassertemperatur von derzeit 17,5 Grad. Aber auch die soll in den nächsten zehn Tage ansteigen. dpa/cjm