Berlin – Mit Blick auf den Schutz vor Tabakqualm und schweren Folgeerkrankungen ist Deutschland nach Ansicht von Experten nicht gerade ein Vorbild. Zwar gibt es bereits viele Rauchverbote etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Behörden – aber im internationalen Vergleich schneiden viele Staaten besser ab.
Beispiel: Supermärkte. Noch immer können Tabakprodukte hierzulande problemlos gekauft werden, ebenfalls an Kiosken oder in Tankstellen. Viele andere Länder sind da schon weiter oder haben zumindest konkrete Pläne. So dürfen etwa ab kommenden Jahr niederländische Supermärkte generell keine Zigaretten und anderen Tabak mehr verkaufen.
Zum heutigen Weltnichtrauchertag nimmt die Diskussion Fahrt auf. Kritiker halten die Tabaksteuer in Deutschland für zu gering. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nannte Deutschland eines der „Sorgenkinder“ weltweit. Erst 2022 war – erstmals seit sieben Jahren – wieder eine Steuererhöhung in Kraft getreten. Im selben Jahr sank die Menge der versteuerten Zigaretten laut Statistischem Bundesamt um 8,3 Prozent auf 65,8 Milliarden. Gesundheitsexperten halten das nicht für ausreichend und verweisen etwa auf Australien: Dort kostete 2022 eine Packung Zigaretten im Schnitt mehr als 27 Euro – in Deutschland sieben. „Wir wissen, dass hohe Preise weniger Raucher bedeuten“, so Rüdiger Krech, WHO-Direktor für Gesundheitsförderung.
Auch in anderen Bereichen gibt es deutliche Expertenkritik an den deutschen Bestimmungen: So wird das Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten unterschiedlich ausgelegt. Nur in Bayern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland gilt ein absolutes Rauchverbot. In anderen Bundesländern gibt es Ausnahmeregelungen: Hier darf in abgetrennten Räumen gequalmt werden, dort ist in kleinen Kneipen, die kein Essen servieren, das Rauchen erlaubt.
Die WHO fordert das Ende für die staatliche Subventionierung des Tabakanbaus in vielen Ländern. „Tabak ist für acht Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich, und trotzdem geben Regierungen weltweit Millionen aus, um Tabakfarmen zu stützen“, kritisierte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Statt Tabak sollten Pflanzen zur Ernährung der Weltbevölkerung angebaut werden.