Bootsunglück wird zum Agenten-Krimi

von Redaktion

Lago Maggiore: Drei Todesopfer arbeiteten für israelischen und italienischen Geheimdienst

Lisanza – Vier Todesopfer waren am Pfingstsonntag zu beklagen, nachdem ein Ausflugsboot auf dem Lago Maggiore bei Lisanza im Piemont gesunken war. Wie berichtet hatte eine Windhose das mit mehr als 20 Personen voll besetzte Hausboot zum Kentern gebracht. Drei Tage nach dem tragischen Unglück der „Good…uria“ (deutsch: Vergnügen) entwickelt sich der Vorfall langsam zu einer Art Geheimdienst-Krimi.

„Der Schiffbruch 007“ titelte etwa die italienische Tageszeitung „La Stampa“ am Dienstagmorgen. Der Grund für die Schlagzeile? Eines der vier Todesopfer war demnach ein ehemaliger Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad. Zwei weitere Opfer waren Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes Servizi Segreti. Zudem starb die russische Ehefrau des Skippers und Besitzers des Hausbootes.

Der Leichnam des ehemaligen israelischen Geheimdienstlers wurde mittlerweile in dessen Heimat gebracht. Das gab das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gestern im Auftrag des Mossad bekannt. Israels Auslandsgeheimdienst habe „einen lieben Freund verloren, einen engagierten und professionellen Mitarbeiter, der sein Leben jahrzehntelang, auch nach seiner Pensionierung, der Sicherheit des Staates Israel gewidmet hat“, hieß es in der Presse-Mitteilung. Der Sarg des Mannes „in seinen Fünfzigern“ sei am Morgen angekommen. Weitere Details zum Toten wurden bis jetzt nicht genannt. Die Staatsanwaltschaft von Busto Arsizio ermittelt nach dem Unglück. Offiziell habe es sich bei dem Ausflug auf dem Lago Maggiore um eine private Feier gehandelt. Die „Bild“ zitierte gestern eine Sprecherin des italienischen Geheimdienstes Servizi Segreti, wonach die beiden tödlich verunglückten Kollegen im Alter von 62 und 53 Jahren „zu einem Geburtstag eingeladen“ gewesen seien.

Weil jedoch alle Passagiere den Erkenntnissen nach bei italienischen und israelischen Geheimdiensten beschäftigt sind oder waren, ranken sich selbstverständlich wilde Spekulationen um den möglichen Grund für das Zusammentreffen auf dem See. Staatsanwalt Carlo Nocerino sagte gegenüber der „Bild“, er gehe davon aus, „dass sie sich einfach auf einer ganz normalen Geburtstagsfeier getroffen haben“. „Solange wir das Schiff nicht gehoben haben, wissen wir aber natürlich auch nicht, was dort für Papiere oder persönliche Gegenstände mit untergegangen sind“, so Carlo Nocerino weiter. Nach dem Unfall reisten alle Überlebenden schnell aus der Provinz Varese ab. Die Italiener seien „hastig“ aus Notaufnahmen und Hotels evakuiert worden, wie die italienische Zeitung „La Reppubblica“ gestern berichtete. Die Israelis wurden laut der Nachrichtenagentur Ansa mit einem Privatjet außer Landes gebracht, der normalerweise für sensible und offizielle Flüge benutzt wird.

Unterdessen versuchten die Einsatzkräfte gestern weiter, das Boot zu bergen und an Land zu bringen – abgeschirmt durch Einsatzkräfte der Polizei. Nachdem Versuche zu Wochenbeginn gescheitert waren, erwägte die Feuerwehr offenbar den Einsatz eines Spezialkrans. Auf Videos war zu sehen, wie das Boot mit Ballons aus rund 15 Metern Tiefe zum Teil an die Oberfläche geholt wurde. Danach gelang es aber zunächst nicht, das Gefährt ans Ufer zu ziehen.  sas

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