Tödlicher Unfall war wohl eine Amokfahrt

von Redaktion

Beweise deuten auf Vorsatz hin – Angelika H. in Venedig in Haft – Bayerin ist bereits zuvor auffällig geworden

Santo Stefano di Cadore – Nach dem Unfall mit drei Toten am vergangenen Donnerstag in Santo Stefano di Cadore (Venetien) haben die italienischen Ermittler einen schrecklichen Verdacht gegen die Beschuldigte Angelika H. (31) aus dem Landkreis Deggendorf: Maria Grazia Z. (65), Marco A. (48) und sein kleiner Sohn Mattia (2) könnten einer Amokfahrt zum Opfer gefallen sein.

Dass es mehr als ein fahrlässiger Unfall gewesen sein könnte, darauf deuten das Tempo des Audi A3, Zeugenaussagen, fehlende Bremsspuren in der Via Udine und nicht zuletzt das Video einer Überwachungskamera hin, die die letzten vier Sekunden vor dem Aufprall erfasste.

Angelika H.s Fahrzeug, in dem sie offenbar seit einem überstürzten Aufbruch daheim in Niederbayern im Oktober lebte, rast um 15:14:54 Uhr wie ein schwarzer Blitz vorbei. Vier Sekunden später folgt ein dumpfer Knall. Mutmaßlich die Kollision des Audi mit einer Straßenlaterne und einem Holzzaun. Danach Reifenquietschen, um 15:15:02 verstummt der Ton. Ein Ermittler der Carabinieri: „Nach einer ersten Überprüfung des Videos muss von einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h ausgegangen werden.“ Tempo 50 ist in der Via Udine erlaubt.

In einer ersten Vernehmung machte Angelika H. keine Angaben zu den Umständen ihrer Fahrt. Doch die italienische Nachrichtenagentur ANSA zitiert einen Augenzeugen: Er habe einen heftigen Streit der Fahrerin mit einer anderen Person beobachtet, nach dem die Frau wutentbrannt ins Auto gestiegen und losgefahren sei.

Schon Ende Mai soll es einen Ausraster gegeben haben. Polizisten kontrollierten sie im Einkaufszentrum „Twenty“ in Bozen (Südtirol), wo sie nach dem Kauf eines Handys offenbar in Streit mit der Verkäuferin geriet. Bei der Überprüfung fiel den Beamten ein Hammer in ihrem Rucksack auf, weshalb sie wegen Mitführens gefährlicher Gegenstände angezeigt wurde. Ein erster Schnelltest auf Drogen oder Alkohol am Unfallort fiel negativ aus.

Das Handy von Angelika H. wurde beschlagnahmt. Es wird überprüft, ob sie während der Fahrt dadurch abgelenkt war. Auch ihr Geisteszustand wird im Ermittlungsverfahren von einem Gutachter überprüft. Frühere Facebook-Beiträge von ihr hinterlassen einen wirren Eindruck. Am 30.12.2021 schrieb sie: „Habt ihr sowas auch schon mal erlebt? Dass ihr überall die Zahl 88 gesehen habt, dass es schon auffällig war?“ Angelika H. ist nun im Frauengefängnis auf der Giudecca-Insel in Venedig inhaftiert. Ihr drohen wegen „Straßenmordes“ bis zu 18 Jahre Haft, bei nachgewiesenem Vorsatz lebenslänglich. Am Montag wird sie dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

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