Köln – Festgefahren zwischen Klimawandel und Krieg: Ein Großteil der Menschen in Deutschland ist laut einer Umfrage mit Blick auf Politik und Gesellschaft desillusioniert. Die Menschen reagieren demnach auf die empfundene Aussichtslosigkeit mit einer Flucht ins private Glück.
Das sind die zentralen Erkenntnisse einer tiefenpsychologischen Studie und einer repräsentativen Befragung zum Seelenzustand der Deutschen, die das Kölner Institut Rheingold am Donnerstag veröffentlichte. Auftraggeber war die Düsseldorfer Philosophie-Stiftung Identity Foundation.
„Den Deutschen gelingt die Maximierung ihrer Zuversicht durch die Minimierung ihres Gesichtskreises“, erklärte Studienleiter und Psychologe Stephan Grünewald. Die Verengung der persönlichen Sicht äußere sich vor allem in einer Verdrängung von globalen Krisen. Der Krieg in der Ukraine, der Klimawandel oder die Migrationskrise würden von den meisten Menschen in ihrem Alltag ausgeblendet. Auf der Strecke bleibe die gesellschaftliche Verantwortungsübernahme.
Zwischen persönlicher Zuversicht der Deutschen und dem Vertrauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herrscht demnach eine große Diskrepanz. Drei Viertel der 18 bis 65-Jährigen (73 Prozent) haben das Gefühl, „dass unsere Politiker keine Ahnung haben von dem, was sie tun“. Lediglich 23 Prozent empfinden demnach Zuversicht beim Blick auf die Politik.
59 Prozent fühlen sich laut Umfrage von den Krisenlagen der Gegenwart überfordert. 68 Prozent ziehen sich stärker zurück und mögen es, ihre Ruhe zu haben. Nur 39 Prozent sagen von sich, dass sie sich noch ausführlich über das Weltgeschehen informieren, während 31 Prozent die Konzentration auf das eigene Leben als wichtiger empfinden als Nachrichten.
Quellen der Zuversicht bieten laut Psychologen dabei vor allem der Rückzug in Wohlfühloasen wie den Urlaub oder ein schönes Zuhause, die Fixierung auf die eigene Selbstoptimierung etwa durch Fitness und Schönheitspflege sowie soziale „Bollwerke“. So finden 87 Prozent der Befragten Zuversicht vor allem im persönlichen Umfeld, in der Familie, bei Freunden und Bekannten.