„Killer der Meere“ : Italien sagt Blaukrabben den Kampf an

von Redaktion

Rom – Italien sieht sich mit einer Blaukrabben-Plage konfrontiert. Fischer, Umweltschützer und Politiker warnen vor der Ausbreitung des sich schnell vermehrenden invasiven Schalentiers.

Die Krabben können das ökologische Gleichgewicht beeinträchtigen und richten Schäden bei Fischerei und Muschelzucht an. Gastronomen sorgen sich um die Meeresfrüchte auf ihrer Speisekarte. Die Blaukrabbe (Callinectes sapidus) stammt ursprünglich von der Atlantikküste Nord- und Südamerikas. Wahrscheinlich über das Ballastwasser von Schiffen wurde sie unter anderem in japanische Gewässer, das Mittelmeer und die Nordsee eingeschleppt. Im Mittelmeer ist die Art bereits stark verbreitet, Experten zufolge bedroht sie heimische Meerestiere wie Muscheln sowie bestimmte Fische. Gefressen werden unter anderem Venus- und Miesmuscheln – Zutaten für beliebte Gerichte wie die „Spaghetti alle vongole“, Spaghetti mit Venusmuscheln. In Sozialen Medien machen sich Menschen Sorgen, dass solche Spezialitäten von der Speisekarte verschwinden könnten.

Die Blaukrabbe selbst hat hingegen kaum Fressfeinde. Auch der Fang ist zuweilen nicht einfach, da die Tiere mit ihren scharfen Scheren Fischernetze zerschneiden können. Besonders betroffen ist derzeit die Adria-Küste und dort die lagunenartige Region im Nordosten des Mittelmeerlandes. Auch an der toskanischen Küste tummeln sich die Tiere zahlreich. Angesichts der Verbreitung des „Killers der Meere“, wie Fischer und Politiker die Krabbe nennen, macht sich Italien Sorgen um seine Stellung als weltweit führender Muschelproduzent.

Anfang August gab es nun ein Regierungsdekret – 2,9 Millionen Euro sollen in Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Krabbenart investiert werden. Ein ebenso pragmatischer wie erfolgversprechender Ansatz gehört dazu: Die Krabbe soll selbst auf dem Teller landen. An der US-Ostküste werden Blaukrabben schon lange gefangen, auch in Griechenland werden sie kommerziell gefischt. Fischer an der italienischen Adriaküste beliefern Medienberichten zufolge bereits seit einiger Zeit Restaurants im Nordosten des Landes mit den Krabben. Diese führen neben traditionellen Gerichten nun auch Speisen mit Blaukrabbe. Die italienische Agrarvereinigung Coldiretti veröffentlichte zuletzt sogar eine Liste mit Rezepten für Gastronomen: von der Blaukrabbe mit Rosmarin über Krabbensalat bis hin zu Spaghetti mit Knoblauch und Krabbe ist alles dabei.

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