Oh, wie voll ist Panama!

von Redaktion

Stau vor dem Kanal: Wegen des niedrigen Wasserstandes können weniger Schiffe passieren

Panama-Stadt – Der Panamakanal ist neben dem Suezkanal das zweite Nadelöhr des Welthandels. Er verbindet in Mittelamerika den Atlantik mit dem Pazifik. Da in der Region immer weniger Regen fällt und die Temperaturen steigen, hat der Wasserstand des künstlichen Gatún-See im Panamakanal nachgegeben – mit dramatischen Folgen für die Schiffbarkeit der wichtigen Wasserstraße. Derzeit stauen sich mehr als 200 Schiffe auf beiden Seiten der Wasserstraße, wie das „Wall Street Journal“ berichtet.

Wenn es ein logistisches Szenario gibt, dass die Weltwirtschaft fürchtet, dann den gleichzeitigen Ausfall ihrer lebenswichtigen Nadelöhre Panama- und Suezkanal. Vor zwei Jahren gerieten die weltweiten Lieferketten in Bedrängnis, als die „Ever Given“ im Suezkanal havarierte. Sechs Tage lang kämpften die Experten mit dem quer liegenden Schiff, erst danach ging es für die Frachter und Tanker wieder weiter durch die Wasserstraße. Millionenschäden waren die Folge.

Jetzt stauen sich die Schiffe im Panamakanal. Seit Ende Juli kommen täglich nur noch 32 Schiffe statt der sonst üblichen 36. Die Kanalbehörden zeigen sich beunruhigt: „Die Trockenzeit hat länger gedauert, sodass Beschränkungen angewendet werden mussten“, sagte Ricaurte Vasquez von der zuständigen Behörde. So wurde der Tiefgang von Schiffen auf maximal 13,41 Meter beschränkt, um die Menge der für den Transit verdrängten Kubikmeter Wasser zu reduzieren, wie Vasquez erklärte. Die Einschränkungen könnten noch bis mindestens Anfang September andauern. Anfang August empfahl die Kanalbehörde ihren Kunden in einer Mitteilung deshalb dringend, Durchfahrten im Voraus zu reservieren. Derzeit stecken hauptsächlich Tanker für Gas und Chemikalien fest – daneben auch Massengutfrachter, die beispielsweise Getreide, Zement oder Düngemittel transportieren. Containerschiffe trifft der aktuelle Stau demnach nicht so hart. Sie fahren auf Routen und nach Fahrplänen, die langfristig festgelegt sind. Bis zu einem Jahr im Voraus werden ihre Passagen durch den Kanal von den Reedereien gebucht. Sie werden deshalb von der Kanalbehörde bevorzugt behandelt und müssen gar nicht oder nur wenig warten. Kurzfristige Passagen können derzeit ein Vermögen kosten: „Wir hatten zwei Schiffe, die nicht buchen konnten, und das wurde ziemlich teuer“, zitiert die „Washington Post“ einen Manager der Reederei Maersk. „Wir nahmen an einer Auktion teil und zahlten pro Schiff 900 000 Dollar zusätzlich zu den normalen Mautgebühren von 400 000 Dollar, um die Passage zu ermöglichen.“

Der Kanal ist rund 80 Kilometer lang. Er beginnt in Colón im Norden und endet nahe Panama-Stadt im Süden. Nach der Eröffnung des erweiterten Kanals 2016 verfügt die Wasserstraße über drei Schleusensysteme, über die die Schiffe auf das Niveau des 28 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Gatún-Sees angehoben und später wieder abgesenkt werden. Seit dem Ausbau des Kanals können auch gigantische Tanker und Frachter mit bis zu 14 000 Containern durch die Wasserstraße geschleust werden. Pro Jahr passieren etwa 14 000 Schiffe den Panamakanal, etwa sechs Prozent des Welthandels werden durch ihn abgewickelt.

Rund 170 Länder sind vom aktuellen Stau im Kanal betroffen – und damit eine ganze Palette unterschiedlicher Waren: Sojabohnen und Flüssigerdgas aus den Vereinigten Staaten, Kupfer und frische Kirschen aus Chile sowie Rindfleisch aus Brasilien. Schiffe auf dem Weg in die USA haben etwa Barbiepuppen, Autoteile, Solarzellen, Wasseraufbereitungsgeräte und Diabetes-Testsätze an Bord. Den Reedereien bleibt wenig Spielraum. Ausweichrouten kosten und machen auch die Waren teurer.  sas

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