Panda-Diplomatie mit Pit und Paule

von Redaktion

Bären-Duo feiert im Berliner Zoo Geburtstag – Dabei sollten die Tiere längst in China sein

Berlin – Die Panda-Zwillinge Pit und Paule zählen zu den Lieblingen im Berliner Zoo. Heute feiern sie dort ihren vierten Geburtstag. Dabei sollten sie eigentlich längst in China sein. Wie geht es weiter mit dem tierischen Duo?

Auch wenn sie – verglichen mit Menschenjahren – mittlerweile zu stattlichen Teenagern herangewachsen sind, versetzen Pit und Paule die Berliner Zoobesucher nach wie vor in helle Aufregung. Dabei sollten die Tiere eigentlich längst nicht mehr in der Hauptstadt weilen, sondern in die Aufzucht- und Forschungsstation im chinesischen Chengdu umgezogen sein. So sieht es der Vertrag mit den chinesischen Geschäftspartnern vor. Nicht nur die erwachsenen Tiere, auch der im Ausland geborene Nachwuchs gehören China. Schuld an der Verzögerung sei die Corona-Pandemie mit ihren Reiseeinschränkungen, erklärt Zoodirektor Andreas Knieriem. Dadurch sei bei den weltweiten Rückführungen von Panda-Jungtieren eine Art „Stau“ entstanden. Die Ausreise der Panda-Brüder verzögere sich auf unbestimmte Zeit. „Wir hoffen, dass es in den nächsten zwölf Monaten dazu kommt“, sagt Knieriem.

Große Pandas gelten nicht nur als niedlich, sie sind auch äußerst selten. In freier Wildbahn lebten im Jahr 2015 –laut World Wide Fund For Nature (WWF) das Jahr mit der letzten bestätigten Zählung – etwas mehr als 1800 Große Pandas in China. In Zoos waren es 2019 weltweit 600. Da die Tiere ausgesprochene Sex-Muffel und die Weibchen nur drei Tage im Jahr fruchtbar sind, ist eine Vermehrung bereits in freier Wildbahn schwierig. Dass im Jahr 2019 eine Paarung zwischen Pit und Paules Eltern Meng Meng und Jiao Qing gelang, war daher eine kleine Sensation und ein wichtiges Symbol für den Artenschutz. Die vier Bären sind deutschlandweit die einzigen ihrer Art. Zweimal am Tag gibt es eine kommentierte Fütterung der Pandas, im Zoo-Shop dominiert von Panda-Socken über Panda-Kuscheltiere das Schwarz-Weiß. Sogar die Anlage – der sogenannte Panda Garden – ist Knieriem zufolge strategisch so gebaut worden, dass man vom Zoo-Eingang aus schnell zu ihm gelangt. Doch für die Haltung der Publikumsmagneten nimmt der Zoo auch sehr viel Geld in die Hand, nicht zuletzt beim Futter. „Der Bambus kostet extrem viel Geld“, sagt Knieriem.

Hinzu kommen die Kosten für den sogenannten Kompensationsbeitrag, den der Zoo China für die vier Tiere zahlt. Rund eine Million US-Dollar bekommen die Chinesen pro Jahr, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Knieriem will sich zu den Zahlen nicht äußern und macht auch zu den Jungtieren keine Angaben, sagt aber, dass sich die Kosten in 70 Prozent für Panda-Artenschutzprojekte, 20 Prozent für die Forschung in Chengdu und 10 Prozent für die chinesische Verwaltung aufteilen.

Das Land der Mitte überlässt die Bären aus eigener Zucht nur ausgewählten Ländern. Panda-Diplomatie wird das auch genannt. Kritiker sagen, dass China Pandabären als Belohnung für Länder einsetzt, mit denen es Handelsabkommen unterzeichnet, wie Sarah Eaton, Professorin für Transregionale Chinastudien an der Humboldt-Universität, erklärt. Pandas seien nie der entscheidende Faktor in den bilateralen Beziehungen zwischen China und anderen Ländern, aber sie dienten als ein starkes Symbol für guten Willen und Freundschaft, sagt Eaton.

Für Knieriem spielt das politische Geschäft mit den Pandas angeblich keine Rolle –und selbst wenn: „Solange es nach demokratischen Regeln abläuft, unterstützen wir in der Politik alles, was gut für den Naturschutz ist.“ Für niedliche Bewohner soll auch nach Pit und Paules Auszug gesorgt werden: „Nachwuchs ist wieder geplant“, so der Direktor. MIA BUCHER

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