Vancouver – Bei einer Wanderung im Banff National Park ist ein kanadisches Paar von einem Grizzlybären angegriffen und tödlich verletzt worden. Das Unglück in der Wildnis ereignete sich Ende September an einem Freitagabend. Die beiden liebten die Natur und galten nach Aussagen von Familienangehörigen als besonders vorsichtige Menschen. Die Wandertour der beiden 62-Jährigen, die sich schon seit der Collegezeit kennen und lieben, war für eine Woche geplant gewesen. Auch ihr Hund, ein Border Collie, war dabei, als das Paar von einem Bären angegriffen wurde.
Warum Jenny Gusse und Doug Inglis von dem Bären angegriffen wurden, ist zunächst noch unklar. Es müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Das Paar müsse mit dem Bären gekämpft haben, vermuten die Rettungskräfte. Die Dose mit dem Bärenspray sei vor dem Angriff geleert worden.
Ihre letzte Nachricht vor ihrem Tod sind nur drei Worte: „Bear attack bad“ (auf Deutsch: Bärenangriff schlimm). Diesen Text hätten Doug Inglis und Jenny Gusse an ihre Familie und Rettungskräfte von einem Satellitengerät gesendet.
Gegen 20 Uhr Ortszeit ging der Notruf nach Angaben der Parkbehörden in der Zentrale ein. Sofort sei daraufhin ein für Wildtierangriffe spezialisiertes Rettungsteam (Wildlife Human Attack Response Team) mobilisiert worden. Ein Hubschraubereinsatz war laut Parkbehörden aufgrund der Wetterbedingungen jedoch nicht möglich. Gegen 1 Uhr noch in der Dunkelheit erreichte das Team über den Landweg den Unglücksort. Doch jede Hilfe kommt zu spät. Die Rettungskräfte findet das Paar – leblos.
Vor dem Notruf hatte Dougs Onkel, laut „Guardian“ an dem besagten Freitag noch eine Textnachricht um 16.52 erhalten. Das Paar hätte ihm mitgeteilt, dass sie sich verspätet, aber nun ihr Zelt aufgeschlagen hätten. Wenige Stunden später erhielt Colin Inglis eine Benachrichtigung, dass ein Notruf aktiviert worden sei. Die Nachricht mit den drei Worten sei ihm vom Betreiber vorgelesen worden.
Die Rettungskräfte sind nach eigenen Angaben noch in der Nähe des Fundorts der Leichen auf einen aggressiven Grizzly getroffen. Das Raubtier wurde getötet. Der Bär sei alt und in einem gesundheitlich schlechten Zustand gewesen, so das Ergebnis einer Obduktion. Wie der „Guardian“ schreibt, war das Gebiss des Tieres kaputt und es habe nur noch wenig Fettreserven gehabt.
Über die Ursache des Bärenangriffs wollen die Parkbehörden nicht spekulieren. Der Vorfall ereignete sich in einem abgelegenen Ort in der Wildnis und es gebe keine Augenzeugen. Nach Aussagen des Onkels habe es offenbar einen Kampf gegeben, auch an unterschiedlichen Orten. Am Ende haben die beiden Körper wieder zusammengelegen.
Im Frühjahr 2023 wurde ein Jogger im Trentino in Italien von einem Bären getötet – der Vorfall sorgte weltweit für Aufsehen. Doch für gewöhnlich scheuen die Raubtiere den Kontakt mit Menschen. Um sich vor Bärenangriffen zu schützen, gilt es bei einer Begegnung besondere Verhaltensregeln zu beachten.
Der Banff-Nationalpark in den Rocky Mountains in der Provinz Alberta ist für seine Grizzly- und Schwarzbären bekannt. Wanderern wird empfohlen, Bärenspray mitzunehmen, Lärm zu machen und in großen Gruppen zu reisen.
MARTINA LIPPL