Paartherapeut: Große Chance für die „kleine Liebe“

von Redaktion

Hamburg – Eine Chance für „die kleine Liebe“: Paartherapeut Oskar Holzberg plädiert für weniger Optimierungswahn in Beziehungen. „Das Wegfallen der großen Gefühle heißt nicht automatisch, dass in einer Beziehung etwas nicht stimmt“, sagte Holzberg im Interview der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Brigitte“.

„Gesellschaftlich haben wir ja auch lange auf Wachstum gesetzt und sind jetzt an einen Punkt gekommen, an dem wir merken: Das haut überhaupt nicht hin. Wir zerstören unsere Umwelt, unsere Lebensgrundlage“, so Holzberg. Es sei an der Zeit, auch „nachhaltiger über unsere Beziehungen nachzudenken“.

Für ihn gehe es um eine realistische Einschätzung. „Ein Viertel aller Paare lassen sich heute scheiden, obwohl sie sich eigentlich ganz zufrieden fühlen. Sie trennen sich nicht, weil sie so unglücklich in ihrer Beziehung sind, sondern, weil sie glauben, anderswo noch glücklicher werden zu können.“ Es sei „ein Überanspruch“, in der Liebe den ganz großen Knall zu suchen, sagte Holzberg. Er plädiere stattdessen dafür, der „kleinen Liebe“ eine Chance zu geben. Sie „mag weniger schillernd sein“, biete dafür aber „mehr Möglichkeit“. Vor allem sei wichtig, zu akzeptieren, dass „wir nicht erwarten können, immer alles richtig zu machen.“

Grundsätzlich spreche zwar nichts dagegen, „sich unsterblich zu verlieben“. Zugleich sei es sinnvoller, einen Partner zu haben, der „unterstützend ist und unser Bestes will“ als „einem Ideal hinterherzulaufen“, sagte der Psychologe.

Dem „Spiegel“ sagte Holzberg im Interview: „Die große, romantisch-leidenschaftliche, ewig währende Liebe ist eine Fantasie, nach der noch immer viele in der Realität suchen. Sie glauben, dass es den einen richtigen Menschen auf der Welt gibt, der das ergänzende Puzzlestück ist für ein erfülltes Leben. Mit dem ab dem Zeitpunkt des Kennenlernens alles rosarot, glücklich, leidenschaftlich und erfüllt ist. Und zu dem die Liebesgefühle dauerhaft gleich bleiben. An dieser Vorstellung können wir nur scheitern!“

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