Berlin – Die Weltmeere verzeichnen außergewöhnliche Wärmerekorde. Seit etwa einem Jahr liegt die mittlere Oberflächentemperatur im Nordatlantik an jedem Tag auf dem höchsten Stand seit Messbeginn vor rund 40 Jahren. Am 7. März 2023 startete die durchgehende Kurve der Tagesrekordtemperaturen im Nordatlantik. Bei den Weltmeeren insgesamt begann sie am 14. März. „Wenn man sich anguckt, wie die Temperaturentwicklung in den Ozeanen der anderen 40 Jahre war, kann man sehen, dass die derzeitige Erwärmung weit außerhalb natürlicher Schwankungen liegt“, sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Zusätzlich zu der stetigen menschengemachten Erwärmung müsse es daher noch andere dynamische Effekte geben, erklärte Levermann. So pumpe etwa das Klimaphänomen El Niño derzeit Wärme aus den Meerestiefen im Pazifik nach oben.
Auch Klimaforscher Mojib Latif ist wenig überrascht von den Rekorden: „Ozeane nehmen über 90 Prozent der Wärme auf, die durch den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre verbleibt“. Klimaphysiker Helge Gößling erklärt: „Das, was momentan verwundert, ist der sehr warme Atlantik.“ Ein Erklärungsansatz seien die seit 2020 geltenden strengeren Schiffsemissionsvorschriften. „Das heißt, die Schwefelverbindungen, die einen kühlenden Effekt auf das Klima haben, sind reduziert worden“. Zudem sei 2022 ein Unterwasservulkan ausgebrochen, der große Mengen Wasserdampf in die Stratosphäre befördert habe. Dies trage ebenso zur Erwärmung bei wie die aktuell starke Strahlung der Sonne. Gößling: „Ich rede über kleine Effekte, aber die können sich läppern.“ Fest stehe aber, dass „der menschengemachte Klimawandel durch Treibhausgase langfristig die Hauptursache ist“.