Innsbruck – Forscher warnen vor den Auswirkungen der angeblich harmlosen E-Zigaretten. Denn Raucher und Konsumenten von E-Zigaretten teilen nicht nur eine schlechte Gewohnheit, sondern auch ähnliche, mit Krebs assoziierte Veränderungen an Zellen, so eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universität Innsbruck um Chiara Herzog und Martin Widschwendter, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Cancer Research“.
In der Studie wurde die Wirkung von Tabak und E-Zigaretten, bei denen der Tabak nicht verbrennt, sondern verdampft wird, untersucht. Genauer genommen: Dessen Wirkung auf das Epigenom, also das Zellprogramm von verschiedenen Zellen, wie etwa in der Mundschleimhaut, wird untersucht und verglichen. Die Forschenden analysierten dabei mehr als 5300 Proben von rund 4000 Personen. Das Epigenom überlagert unser genetisches Material (DNA) wie eine Schicht aus Informationen. Stellt man sich die DNA als „Hardware“ eines Computers vor, so ist die Epigenetik ihre „Software“: Sie bestimmt wie, wo und wann die vom Computer verwendeten Programme ausgeführt werden. Das Epigenom kann sich im Laufe unseres Lebens durch eine Vielzahl genetischer und nicht genetischer Faktoren verändern. Dazu gehören der Alterungsprozess, unsere Lebensweise und der Kontakt mit Chemikalien und anderen Umweltfaktoren.
Wie computergestützte Analysen der Proben zeigten, blieben durch das Rauchen hervorgerufene epigenetische Veränderungen in vielen Zellen jahrelang stabil. So konnten die Forscher durch epigenetische Auswertung in Proben der Mundschleimhaut mit über 90 Prozent Genauigkeit sagen, ob eine Person aktuell raucht, früher geraucht hat oder niemals geraucht hat.
„Wir konnten zeigen, dass elektrische Zigaretten genau dieselben Veränderungen des Zellprogramms verursachen wie das normale Rauchen“, sagt Widschwendter in einem Interview. Durch die Studie konnten erste Hinweise geliefert werden, dass das Rauchen von E-Zigaretten auch zu einer Krebsentwicklung führen kann. „Dass E-Zigaretten ein wesentlich geringeres Krebsrisiko bedingen als normale Zigaretten, wie bis jetzt behauptet wurde, kann durch unsere Studie nicht bestätigt werden“, so der Experte.
Das Team fordert daher Langzeitstudien: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass E-Zigaretten und insbesondere deren Langzeitfolgen noch genauer geprüft werden müssen, bevor sie allgemein als ,95 Prozent sicherer als Zigaretten‘ zur Raucherentwöhnung empfohlen werden. Während sie ein wichtiges Mittel zur Zigarettenentwöhnung darstellen können, ist es wichtig, ihre Risiken und potenzielle Verbindung zu langfristigen Gesundheitskonsequenzen zu erforschen“, erklärt Erstautorin Chiara Herzog.
Dass der Konsum von Tabak negative gesundheitliche Folgen birgt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Schätzungen zufolge verursachte er im Jahr 2019 weltweit 7,69 Millionen Todesfälle – Tendenz steigend. Auf der Suche nach Alternativen zur klassischen Zigarette steigen Menschen vermehrt auf (Einweg)-E-Zigaretten um. Besonders ausgeprägt ist der Anstieg des E-Zigaretten-Konsums verwandten Studien zufolge unter den 18- bis 24-Jährigen sowie bei aktiven Rauchern und Personen, die im letzten Jahr mit dem Rauchen aufgehört haben.