Archäologen vermuten, dass es sich um die Überreste von mindestens drei Mammuts handelt. © Parow-Souchon/dpa
Wien/Gobelsburg – Jahrhundertfund in Österreich: In seinem Weinkeller in Gobelsburg-Zeiselberg ist Winzer Andreas Pernerstorfer bei Umbauarbeiten auf Mammutknochen gestoßen, die Archäologen auf ein Alter von 30 000 bis 40 000 Jahren datieren. Nach der Meldung des Fundes an das Bundesdenkmalamt hätten Archäologen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) Mitte Mai mit den Grabungen begonnen, teilte die ÖAW mit. Mittlerweile gehe man davon aus, dass es sich bei den Mammutüberresten um den „bedeutendsten Fund dieser Art seit mehr als 100 Jahren“ handle. Über den Fund hatten zuerst die „Niederösterreichischen Nachrichten“ berichtet.
Inzwischen hätten die Experten mehrere Schichten mit Überresten der gigantischen eiszeitlichen Tiere freigelegt. Es dürfte sich um Knochen von mindestens drei Tieren handeln. „Im Pernerstorfer Keller liegen wahrscheinlich die Überreste von zwei großen und einem kleinen Mammut“, schreibt das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI). Stoßzähne seien bisher jedoch nicht gefunden worden. Konkretere Informationen auch zum genauen Alter der Knochen werde es erst nach Abschluss der Analysen in den Laboren geben, meint Ausgrabungsleiterin Dr. Hannah Parow-Souchon.
Die Bergung der jahrtausendealten Knochen sei eine besonders knifflige Aufgabe, da sie sehr brüchig seien, erklärt Parow-Souchon. „Wir müssen sie in nasses Zeitungspapier einpacken und dann eingipsen, damit sie unversehrt bleiben“, beschrieb sie in einem Facebook-Post das behutsame Vorgehen der Wissenschaftler.
„Eine so dichte Knochenlage von Mammuts ist selten“, sagt Parow-Souchon. Es könnte sich um einen Ort handeln, an dem Steinzeitmenschen einst die massigen Tiere in eine Falle getrieben und getötet hätten. Von der nicht alltäglichen Auffindesituation erhofften sich die Forscher neue Hinweise darauf, wie unsere Vorfahren damals die Jagd auf die bis zu 4,5 Meter hohen und 15 Tonnen schweren Tiere organisiert hätten. Im Weinkeller wurden neben den Mammutknochen nämlich auch Holzkohlestückchen gefunden. Dies deute darauf hin, dass sich Steinzeitmenschen an diesem Ort aufgehalten haben. „Wir wissen, dass Menschen Mammuts gejagt haben, aber wir wissen noch immer wenig darüber, wie sie das gemacht haben“, zitiert t-online Parow-Souchon.
Der letzte vergleichbare Fund in Österreich sei unweit der aktuellen Grabungsstelle gemacht worden. Vor 150 Jahren sei man in einem angrenzenden Weinkeller in Gobelsburg ebenfalls auf eine mächtige Knochenschicht sowie Kulturschichten mit Feuersteinartefakten und Schmuckfossilien gestoßen, so die ÖAW. Nach der Untersuchung des neuen Funds durch die Archäologen würden die Knochen an das Naturhistorische Museum (NHM) Wien zur Restaurierung übergeben.
Die nahe am Fundort gelegene Stadtgemeinde Langenlois schrieb auf ihrer Website: „Dieser spektakuläre Fund ist in den letzten 100 Jahren in Österreich einzigartig.“ Die Entdeckung sei ein unglaublicher Glücksfall, da durch die hervorragende Erhaltung des Materials moderne Untersuchungen möglich sind.