Feiertag für den Krisenkönig

von Redaktion

Vor zehn Jahren wurde Felipe VI. spanischer Monarch – seine Ehe ist zerrüttet

Nach der Vereidigung 2014 zeigte sich König Felipe VI. mit seiner Frau Letizia. Da waren sie noch glücklich. © Hidalgo/dpa

Madrid – „Eine erneuerte Monarchie für eine neue Zeit“, mit diesem Motto trat Felipe VI. heute vor zehn Jahren ein schweres Erbe als spanischer König an. Das lag vor allem am Vater König Juan Carlos I., der mit Eskapaden und Skandalen der Monarchie und seiner Familie erheblich geschadet hat. Felipe griff seither hart durch.

Das Ansehen von Juan Carlos hatte 2014 schwer gelitten wegen mutmaßlicher Seitensprünge, Vetternwirtschaft bei einem großen Betrugsskandal und eine Elefantenjagd 2012 in Botswana, während in Spanien in der Finanzkrise die Arbeitslosigkeit grassierte. Zudem wirkte der alternde Monarch gebrechlich, nuschelte sich durch seine Reden und verhaspelte sich bei Ansprachen. Mit seiner Abdankung 2014 zog er die Konsequenzen und machte den Weg für seinen Sohn frei. In den folgenden Jahren wurde der stets um Anstand und Transparenz bemühte „Bürgerkönig“ Felipe VI. jedoch immer wieder mit den Verfehlungen seines Vaters konfrontiert. Er musste schmerzhafte Entscheidungen treffen.

Die Beziehung zwischen Sohn und Vater, König und Alt-König, wurde durch weitere Enthüllungen nicht besser. Als 2020 auch noch sein eigener Name im Zusammenhang mit einer millionenschweren Finanzaffäre auftauchte, platzte dem Bourbonen-König der Kragen: Er zog die Notbremse und brach öffentlich mit seinem damals 82-jährigen Vater. Felipe kündigte an, auf das Erbe, das ihm später zustehen würde, ganz zu verzichten. Er strich Juan Carlos zudem das Gehalt als Alt-König – zuletzt waren das rund 194 000 Euro jährlich aus der Haushaltskasse der Casa Real. Die Justizbehörden in der Schweiz und in Spanien ermittelten.

„Die Krone muss die Würde der Institution gewährleisten, ihr Ansehen bewahren und ein integres, ehrliches und transparentes Verhalten an den Tag legen“, ließ der Zarzuela-Palast damals zur Begründung verlauten. Die Justizbehörden in der Schweiz und in Spanien ermittelten. Der Verdacht lautete, dass Juan Carlos 2008 millionenschwere Schmiergelder aus Saudi-Arabien kassiert haben soll. War das ein „Geschenk“ oder wurde dadurch möglicherweise der Bau einer Schnellbahnstrecke von Medina nach Mekka durch ein spanisches Konsortium begünstigt?

Besonders heikel: Einem Bericht des britischen „Telegraph“ zufolge sollen sowohl Felipe als auch Kronprinzessin Leonor als Begünstigte einer Offshore-Stiftung aufgetaucht sein – offenbar ohne ihr Wissen. Der König sah sich gezwungen, die Flucht nach vorn anzutreten und seinen Namen reinzuwaschen, indem er klarstellte, dass er kein Vermächtnis seines Vaters annehme. Landesweit erntete Felipe Anerkennung für den mutigen Vorstoß. „In seinen wenigen Amtsjahren hat er sein festes Engagement für den vorbildlichen Charakter der ersten staatlichen Institution unter Beweis gestellt“, lobte das renommierte Blatt „El Mundo“ die „schwierige, aber unvermeidliche Entscheidung“.

Einem Strafverfahren entging Juan Carlos später nur um Haaresbreite. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten ein, weil Juan Carlos entweder durch seine Immunität als König bis zu seiner Abdankung 2014 geschützt war, die Taten verjährt waren oder er Steuerschulden in Millionenhöhe eilig beglich. Nicht gerade eine Entlastung erster Klasse. Es war der tiefe Fall des Mannes, der jahrelang als Retter der spanischen Demokratie gefeiert wurde, weil er 1981 eine Gruppe von Putschisten mit einer resoluten Rede an die Nation zur Aufgabe brachte.

Felipe hält seit Jahren eine Art Sicherheitsabstand zu seinem Vater ein. Der hatte seine Heimat 2020 zunächst mit unbekanntem Ziel verlassen. Später tauchte er in Abu Dhabi auf. Als er zwei Jahre später das erste Mal wieder die Heimat besuchte, gab es nur ein kurzes, nichtöffentliches Treffen mit seinem Sohn.

Während 2014 zunehmend Forderungen nach einem Ende der Monarchie lauter wurden, sind diese Rufe inzwischen dank der Regentschaft von Felipe VI. weniger vehement zu vernehmen. Dafür häufen sich seit Monaten die Schlagzeilen über die Ehe von Felipe und Letizia. Wie ein Märchen hatte die Liebesgeschichte zwischen dem Königssohn und der bekannten TV-Journalistin vor über 20 Jahren begonnen. Doch zuletzt gab es immer wieder Storys über Affären und Ehekrisen – mit schweren Vorwürfen gegen die Königin. Dazu Berichte, sie leide unter Essstörungen. Inzwischen gilt die Ehe als zerrüttet. Sie werde zum Schein aufrechterhalten. Für die Monarchie. J-U. RONNEBURGER

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