Konzertabsagen: Lena spricht über ihre Depressionen

von Redaktion

Sängerin Meyer-Landrut: „Ich muss die Reißleine ziehen“ – Experte: Was Betroffene tun können

Armin Rösl, Deutsche Depressionsliga. © Rösl (DDL)

Lena Meyer-Landrut leidet unter Depressionen. © Kaiser/dpa

Düsseldorf – Sorge um Lena Meyer-Landrut: Die Musikerin hat aus gesundheitlichen Gründen alle weiteren Konzerte für dieses Jahr abgesagt: „Es bricht mir das Herz, und ich wünschte so sehr, dass ich das hier nicht aufnehmen müsste, aber wie ihr vielleicht im Slide vorher schon gesehen habt, muss ich auch die restlichen Shows aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr absagen“, sagte die 33-Jährige in einer Sprachnachricht auf Instagram. Sie müsse die Reißleine ziehen.

Erst Ende Juni hatte die Sängerin in einem Interview mit der Tageszeitung „Luxemburger Wort“ offen über ihre Depressionen gesprochen. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, wieder live auf der Bühne zu stehen, antwortete Lena: „Ich hatte richtig Angst davor. Ich habe ganz doll gehofft, dass es gut wird und wollte die Zeit auf mich zukommen lassen.“ Weiter sagte sie : „Für mich ist die Depression etwas ganz Normales und nichts Sensationelles. Deswegen versuche ich, darüber nicht so viel zu reden, den Ball ein bisschen flach zu halten, um es normal zu machen.“ Die Sängerin räumte weiter ein, dass es auch auf ihre Tagesform ankomme. „Manchmal kann ich auf mein Bauchgefühl hören und meine Bedürfnisse einordnen und danach handeln. Manchmal aber auch nicht.“

Verschiedenen Studien zufolge erkranken in Deutschland rund 5,3 Millionen Menschen (8,2 Prozent) im Laufe eines Jahres an einer Depression. Die Patientenorganisation Deutsche Depressionsliga e.V. (DDL) setzt sich für die Belange von Betroffenen sowie für die Aufklärung über die schwere Erkrankung ein. Armin Rösl aus Poing (Kreis Ebersberg) ist stellvertretender Bundesvorsitzender und Sprecher der DDL und selbst Betroffener. „Die Depression raubt jegliche Energie, jegliche Lebensfreude, jegliche Art zu fühlen“, sagt er. Merkmale einer Depression seien unter anderem gestörter Antrieb, gedrückte, depressive Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, Schlafstörungen, Gefühl von Schuld, Suizidgedanken. Halten einige Symptome über zwei oder mehr Wochen an, rät Rösl, sich ärztliche Hilfe zu holen. „Dinge, die einem Freude bereitet haben, tun es plötzlich nicht mehr. Vielmehr sind sie eine Last“, sagt Rösl. Im Falle von Lena Meyer-Landrut könnten dies das Singen und die Konzerte sein.

Depression führt zu einer auffälligen Wesensveränderung, die von Angehörigen und Freunden bemerkt werden kann. Sollte das der Fall sein, rät Rösl, den Betroffenen darauf anzusprechen, ihm zuzuhören und zu signalisieren, dass man die Gefühle ernst nimmt. Und: Dass er sich nicht alleine zu fühlen braucht. Auch wenn in den vergangenen Jahren durch vielfältige Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Depression ein Stück weit das Stigma genommen wurde – beispielsweise durch Prominente wie den DDL-Schirmherrn und Komiker Torsten Sträter – haben immer noch viele Menschen Angst, über ihre depressiven Gefühle zu reden. Aus Scham, in eine Ecke von „faulen Menschen“ oder „Drückebergern“ gedrängt zu werden. „Das ist falsch. Eine Depression ist eine schwere Erkrankung und muss unbedingt professionell behandelt werden.“ Dank verschiedener Therapien, individuell auf den Betroffenen ausgelegt, sei die Chance groß, wieder „zurück ins Leben“ zu kommen. So lautet das Motto der DDL. Mehr Infos: www.depressionsliga.de.

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