Anwohner werden in Clearwater von der Feuerwehr aus ihren Wohnungen gerettet. © Smith/AFP
Der Hurrikan hat dutzende Häuser in der Wohnanlage für Senioren zerstört. Es gab mehrere Tote. © Florida Dpartment of Healh
Land unter: Die Straßen in Punta Gorda stehen nach dem Durchzug von „Milton“ unter Wasser. © Raedle/AFP
Schrott, wohin das Auge blickt: „Milton“ hinterließ eine Schneise der Verwüstung. © HERRERA/epa
Robert Haight steht vor den Trümmern seiner Existenz. Sein Haus in Fort Myers wurde von einem Tornado im Zusammenhang mit Hurrikan „Milton“ völlig zerstört. © Khanna/AFP
Tampa – Mit Tagesanbruch wird langsam das Ausmaß der Zerstörung deutlich, das Hurrikan „Milton“ hinterlassen hat. Der Sturm zog in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit) von der Golfküste Floridas über den US-Bundesstaat hinweg auf den Atlantik hinaus. In seiner Schneise: Tote, Überschwemmungen, heruntergerissene Stromleitungen, zerstörte Existenzen.
„Es sah aus, als hätte jemand ein Gewicht vom Himmel fallen lassen und eine Reihe von Häusern plattgemacht“, berichtet Doug Anderson der Lokalzeitung „Treasure Coast Newspapers“. Anderson lebt in St. Lucie County, wo mindestens vier Menschen – darunter Bewohner einer Senioren-Wohnwagensiedlung – durch einen Tornado ums Leben kamen. Hurrikans bringen durch die verschiedenen Windgeschwindigkeiten am Boden und weit oben in der Luft häufig auch Tornados hervor. US-Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas bestätigte mindestens 27 Tornados.
Die Region um Tampa war vor der Ankunft von „Milton“ als Hochrisikogebiet eingestuft worden. Der Sturm traf dann am späten Mittwochabend (Ortszeit) etwa 100 Kilometer südlich, in Siesta Key, auf Land – als Hurrikan der Stufe 3 mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten bis zu 193 Kilometern pro Stunde. In der Nacht schwächte sich „Milton“ auf Stufe 1 ab und zog aufs Meer, wo er sich weiter abschwächen und in nordöstliche Richtung bewegen soll.
Millionen Menschen waren im Vorfeld zur Evakuierung aufgerufen worden. Es gab Berichte über lange Staus und Treibstoffmangel. Über 80 000 Menschen suchten in Notunterkünften Schutz, während andere beschlossen, in ihren Häusern zu bleiben. Als die Behörden sichere Evakuierungen nicht mehr gewährleisten konnten, ordneten sie an, sich vor Ort zu verbarrikadieren.
Trotz der langsam sichtbar werdenden Schäden betonte Floridas Gouverneur Ron DeSantis, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten seien. „Dieser Sturm war beträchtlich. Aber zum Glück war dies nicht das schlimmste Szenario“, sagte er bei einer ersten Pressekonferenz. Die Sturmflut sei nicht so gravierend gewesen wie bei Hurrikan „Helene“ vor etwa zwei Wochen, der in der Region schwere Schäden angerichtet hatte. Viele Menschen hatten sich von diesen Verwüstungen noch nicht erholt, als „Milton“ einschlug.
In etlichen betroffenen Gebieten herrschte am Donnerstagmorgen (Ortszeit) noch Unklarheit. Nach Angaben der US-Regierung gibt es Berichte über mindestens zehn Todesopfer. Rettungskräfte arbeiteten unter Hochdruck daran, sich einen Überblick zu verschaffen, hieß es. Der Sheriff von Hillsborough County, Chad Chronister, appellierte an die Bewohner, Geduld zu haben. „Es sind so viele Bäume und Strommasten umgestürzt, dass wir uns buchstäblich einen Weg zu den Betroffenen bahnen müssen“, sagte er im Gespräch mit dem Sender CNN und warnte davor, eigenständig zu handeln: „Es ist zu gefährlich.“
Auch US-Präsident Joe Biden sprach eine Warnung aus. „Ich bitte Sie dringend, drinnenzubleiben und die Straßen zu meiden“, schrieb Biden auf X. Auf dem Boden liegende Stromleitungen, Trümmer und beschädigte Straßen sorgten für gefährliche Verhältnisse. Die Menschen sollten an sicheren Orten bleiben, bis die örtlichen Behörden Entwarnung geben und Hilfe eintrifft.
Auch die Bürgermeisterin von Tampa, Jane Castor, mahnte während einer Presskonferenz eindringlich: „Es ist noch nicht vorbei“ – in Folge der Regenfälle könnten Flüsse über ihre Ufer treten und weitere Überschwemmungen verursachen. DeSantis warnte in diesem Kontext vor Gefahren bei der Begutachtung der Schäden: In stehendem Wasser könnten sich abgerissene Stromleitungen verbergen. Bakterien im Wasser könnten zu tödlichen Infektionen führen.
Obwohl die schlimmsten Befürchtungen offenbar nicht eintraten, sind die Folgen des Hurrikans dennoch verheerend: Rund drei Millionen Haushalte waren am Donnerstag zunächst noch ohne Stromversorgung. In der Stadt St. Petersburg wurde das Trinkwasser aufgrund eines Wasserrohrbruchs abgestellt. Die Reparaturen sollten beginnen, sobald die Arbeiter sicher an die Leitungen gelangen können.
LUZIA GEIER