Gisele Pelicot beim Prozess in Avignon © Simon/AFP
Avignon – Im Missbrauchsprozess in Südfrankreich hat die Nebenklage um Opfer Gisèle Pelicot die Verantwortung aller 51 Angeklagten für die zigfache Vergewaltigung betont. „Alle haben, zumindest als sie dieses Horrorhaus verlassen haben, verstanden, dass andere vor ihnen kamen und andere folgen würden“, sagte Anwalt Antoine Camus. „Jeder hat in seinem Maß, auf seinem Niveau zu dieser Monstrosität, zu diesem Martyrium dieser Frau beigetragen.“ Alle 50 neben Pelicots Ex-Mann angeklagten Männer hätten entschieden, einen Körper zu missbrauchen, der keine Einwilligung geben konnte. Alle hätten entschieden, sich vom Denken zu verabschieden.
Pelicots Ex-Mann wird vorgeworfen, seine damalige Frau fast zehn Jahre lang mit Medikamenten bewusstlos gemacht, missbraucht und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten zu haben. Der Mann gestand vor Gericht. Gisèle Pelicot geht davon aus, etwa 200 Vergewaltigungen erlitten zu haben. Den 51 Angeklagten drohen in dem Mammutverfahren bis zu 20 Jahre Haft.
Gisèle Pelicots Anwalt Camus gab zu bedenken, das Strafrecht könne die Schwere der Taten nicht in Gänze fassen. Er kritisierte zudem einige Verteidigungsstrategien. Mehr als die Hälfte der Angeklagten ließ über ihre Anwälte aufwerfen, nicht bei vollem Bewusstsein gewesen zu sein. Einige geben an, der Hauptangeklagte könnte sie auch unter Drogen gestellt haben.
Zu dem Vorgehen des Ex-Mannes, seine Frau mit Medikamenten zu betäuben, sagte Camus: „Die chemische Unterwerfung ist nichts anderes als der Modus Operandi des perfekten Verbrechens.“ Jeden Tag sei Pelicot bei sich zu Hause mit ihrem Ehemann aufgewacht. Das andere Gesicht ihres Mannes habe sie nicht gekannt.
Camus sagte, 99 Prozent der Opfer eines solchen Vorgehens hätten keine Beweise. Gisèle, die mittlerweile als Heldin gefeiert wird, sei durch die Masse an Videos und Fotos der Taten die Ausnahme.